fluchen beim buchen

Wie schön waren doch die Zeiten als ich noch einen sogenannten Dienstausweis mein eigen nennen konnte? Damals - als Zivildienstleistender - war es nicht einmal vonnöten, sich auch nur in irgendeiner Weise vorzubereiten, wenn ich mal den Weg in meine Heimat antreten wollte. Lediglich zum Bahnhof musste ich fahren und in den richtigen Zug einsteigen. “Familienheimfahrt” hieß das und es wurde selbstverständlich ausschließlich der ICE genutzt. Auch, wenn ein anderer Zug früher angekommen wäre, der nächste ICE war es mir immer wert. Heute ist das alles ein wenig anders. Mein Dienstausweis ist lange vergilbt (und in meiner ehemaligen Dienststelle sicher verwahrt, Eingeweihte könnten dies als Präventionsmaßnahme betrachten) und mittlerweile besitze ich nicht einmal mehr eine Bahncard. Das Unternehmen Heimfahrt gestaltet sich daher jedes Mal recht kompliziert. Die vergebliche Suche nach einer direkten Busverbindung in mein Heimatdorfmeine Heimatstadt, die verzweifelte Suche nach einer halbwegs erschwinglichen Bahnverbindung und letztlich die verabscheute Suche nach passenden Mitfahrgelegenheiten. Irgendwie kann ich mich mit dem Status Mitfahrer nicht mehr so recht anfreunden. Das Angewiesensein auf andere Leute, diese nervtötenden Smalltalk-Gespräche in viel zu engen bei Autovermietungen sicher in der Kategorie “mini” zu finden Gefährten, die Halsabschneider von Fahrern (vier Leute in den Polo quetschen und dann 15 Euro vom U-Bhf. Wannsee nach Hamburg U-Bhf. Ritterstraße nehmen). Alles zum Kotzen. Vielleicht hab’ ich das Ganze aber einfach auch schon zu oft gemacht. Dennoch ist es oft die günstigste Möglichkeit von A nach B zu kommen (abgesehen vom Trampen, aber dafür fehlt mir die Zeit). Und manchmal ist es auch gar nicht so schlimm. Diesmal werde ich wohl den Bus nehmen. Dazu muss ich mich zwar recht früh auf den Weg machen (Abfahrt 8h morgens), dafür fährt er fast direkt vor der Haustür ab. Und teurer als die Mitfahrangebote ist es unter Umständen gar nicht. Trotzdem hätte ich gerne meinen Dienstausweis zurück.

Die besseren Erkenntnisse des Wochenendes: einen wunderbaren Einstieg ins Wochenende bekommt man auf einem Weihnachtsmarkt in einem historischen Gebäude (Villa Elisabeth in der Invalidenstraße), auf dem Designer verkaufen (alles 3 bis 33 Euro) und für Essen, Getränke, Geschenke, Optisches und Musik gesorgt ist. Am Freitag abend sogar durch einen Auftritt der Puppetmastaz. Gab’s leider nur dieses Wochenende, wollte ich aber trotzdem erwähnt haben.

Samstags in Berlin findet wohl jeder eine Beschäftigung, die einem den Sonntag versaut. Insofern war da die Party in meiner Ex-WG nur eine der zahlreichen Möglichkeiten. Allerdings muss der Sonntag nicht gänzlich aus dem Kalender gestrichen werden. Denn dank der neuen Regelung der Ladenschlusszeiten in Berlin konnte man bei Dussmann jeden Tag bis 2h nachts und an den Wochenenden vor Weihnachten quasi rund um die Uhr einkaufen. Hammer!

Die letzte Neuigkeit ist eher für die kommenden Wochenenden: Der Tresor macht wieder auf! Der Technotempel der 90er Jahre hat eine neue Location gefunden, ein altes Heizkraftwerk an der Spree bei mir um die Ecke. Und obwohl ich sicher nicht der techno-affinste Typ bin, werde ich mir das mit Sicherheit ansehen, bevor das Ding wieder “für immer” schließt. (via hauptstadtblog)

2 Responses to “fluchen beim buchen”


  1. 1 Christian

    Nun ist der Blog ja schon ein bißchen online, und ich habe lange über einen geeigneten Kommentar nachgedacht. Zugegeben, das nun Folgende ist eine Privatmeinung aber vielleicht gibt sie ja doch dem Einem oder Anderen einen Anstoß. (Anstoß führt übrigens zum Lieblingsthema; wieso steht hier eigentlich nichts über V. Finke?) Der Sinn des Blogboom ist mir trotz intensiven Bemühens immer noch nicht ganz klar. Natürlich, man kann eine unbestimmt große Anzahl Menschen über alltägliche oder spezielle (Bsp. Auslandsaufenthalt u.ä.) Dinge informieren. Letzteres sei hier übrigens ausdrücklich gelobt. Aber führt Ersteres nicht zwangsläufig zu einer Entfremdung? Wäre das (gerade durchs Internet veränderte) Gut Zeit nicht intensiver zu nutzen? Wie persönlich muss/darf ein Blog sein, soll er doch Freunde wie Fremde gleichermaßen ansprechen? Und was ist eigentlich Thema? Gedanken zu teilen, ist Sinn von Kommunikation. Wie aber sieht die geeignete Plattform aus? Mit Verlaub, (auch ich gehöre zu Denen, die kaum etwaige comments anklicken) ein blog verleitet zum Monolog, doesn’t it?

  2. 2 momme

    Mit Sicherheit hast du in einigen Punkten recht. Weder ist in der derzeitigen Form die Identifikation des Lesers zu 100% möglich noch kann man dem “blogger” einen Hang zum Exhibitionismus absprechen. Allerdings sehe ich im Schreiben eines blog keinerlei Gefahr einer Entfremdung. Ich denke, man muss es auch als Bewältigung des Alltags der Welt betrachten. Gerade eine schriftliche Auseinandersetzung mit seinen Gedanken hilft einem, sich nicht ohne Reflektion von der Realität abzuschotten.
    Und das angesprochene “sich entblößen” in der Öffentlichkeit finde ich auch nur bedingt erstrebenswert. Wie Du wahrscheinlich bemerkt hast, achte ich daher auch sehr genau darauf, was ich preisgebe. Sollte ich irgendwann das Gefühl haben, dass zu viele (fremde) Leute mitlesen, besteht ja durchaus die Möglichkeit zur Kontrolle, z.B. durch weniger persönliche Beiträge oder anders herum durch einen Passwortschutz.
    Sicherlich hat ein blog monologische Strukturen, aber das bringt die Art des Mediums mit sich. Müsste man dann nicht dem Großteil der Medien diesen Vorwurf machen? Wo beispielsweise bietet das Fernsehen eine Kommentarfunktion? Eine Kommunikation per blog soll ja nicht andere Kommunikationsformen ersetzen oder verdrängen, es ist eine zusätzliche.
    Das Einzige, dem ich wenig entgegenzusetzen vermag, ist der Zeitaufwand. Bestimmt kann man seine Zeit immer sinnvoller nutzen. Aber das ist für mich eine Frage des persönlichen Interesses, mir macht das Spaß.

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