Archive for February, 2007

“Quäl dich, du Sau!”

Ein großer Mann bei seinem kläglichen kleinen Abschied. Zufällig schaltete ich gestern abend bei Beckmann&Ullrich ‘rein. Normalerweise halte ich mich ja von den abgetakelten ran-Moderatoren so gut es geht fern, aber wenn wie gestern der Gast interessant ist, dann …

Da sitzt er dann, gezeichnet von den letzten Monaten. Widerwillig oder besser gesagt ahnungslos verzweifelt antwortet er auf die - ausnahmsweise - guten Fragen Beckmanns. Oft hat er auch keine wirkliche Antwort. Wirkt dümmlich. Immer wieder die Ausrede, er dürfe aufgrund des gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahrens nichts sagen. Seine Anwälte hätten es ihm verboten. Denn in Deutschland würde das gerne verdreht und dann gegen ihn verwendet. Nun, es ist sicher richtig, dass Schweigen in einem Strafverfahren immer zu den besten Möglichkeiten zählt. Immer dann, wenn man bei einer Aussage eine Verurteilung befürchten müsste. Doch gilt in Deutschland auch die Unschuldsvermutung, sprich der Staat hat dem Beschuldigten die Schuld nachzuweisen, anderenfalls ist dieser freizusprechen. Dieses Ergebnis könnte Ullrich aber sofort herbeiführen, wenn er selbst seine Unschuld bewiese. Bisher hat er eigentlich alles getan, um eben das nicht zu erreichen. Dazu kommt, dass in Deutschland ein Ermittlungsverfahren (und auf diesem Terminus beharrt Ullrich (zu recht), denn verurteilt ist er noch lange nicht) nur dann eingeleitet wird, wenn ein hinreichender Tatverdacht vorliegt. Eine spätere Verurteilung muss wahrscheinlich sein. Das hat auch der Spiegel-Redakteur herausgefunden. Und die Indizienlage ist recht eindeutig. Ich persönlich halte zwar eine Verurteilung Ullrichs auch nicht unbedingt für wahrscheinlich, einen Unschuldsbeweis mittlerweile aber genauso wenig.

All dem zum Trotz ist gestern einer der ganz großen deutschen Sportler gegangen. Ich werde die Tour 1997 nicht vergessen. ulle_boelts_1997_dpa_150.jpgVor Ullrich hätte ich nie die Fernbedienung zur Hand genommen, wenn ein Radrennen übertragen worden wäre. Und das Zitat aus der Überschrift ist für mich auch eines der größten aller (Sport-)Zeiten (für die, die es nicht gesehen haben: es stammt von Udo Bölts, dem Teamkollegen Ullrichs, der ihn im Jahr seines Toursiegs damit den Berg hinauf befahl). Und sollte während seiner gesamten Karriere Doping im Spiel gewesen sein, so ist das verabscheuungswürdig. Aber welchen seiner Kontrahenten kann man von einem Verdacht 100%ig freisprechen? Wohl keinen (siehe letztes Jahr). Das macht seinen Fall nicht besser, dennoch ist der Radsport offensichtlich sehr anfällig und die eigene Dopingfreiheit auch immer nur auf dem Vertrauen zu Dritten zu gewährleisten. Wie dem auch sei, mir hat Jan Ullrich viel Freude bereitet und eines muss man ihm letztlich zugute halten: in seiner gesamten Karriere hat er nie schlecht über andere geredet, auch wenn deren Schuld längst bewiesen war. Und das sollte man ihm vergelten.

Wien 2008

Noch 467 Tage warten müssen wir, dann geht es endlich wieder los. Das Leben hat wieder einen Sinn. Die Fußball-Europameisterschaft 2008 startet. Seit sich neuerdings ja jeder für Fußball interessiert, den es eigentlich nicht interessiert, ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass dieses Turnier in Österreich und in der Schweiz stattfinden wird. Das Endspiel in Wien ist übrigens auf den 29. Juni 2008 datiert. Wer der arbeitenden Bevölkerung angehört, kann sich ja schon mal den Tag danach frei nehmen. Warum ichov_klinsmann_em_pokal96_en.jpg überhaupt jetzt davon anfange? Nun ja, vielleicht erinnert sich noch jemand an den 1. März 2005. An diesem Tag begann die erste Verkaufsphase für Tickets für die Weltmeisterschaft 2006. Und exakt zwei Jahre später - nämlich am Donnerstag, 1. März 2007 - beginnt eben wieder die erste Verkaufsphase. Diese läuft bis zum 31. März 2007 und auf der Seite der UEFA kann man sich ab Donnerstag bewerben, es wird zunächst wieder nach dem Losprinzip verfahren. Es ist also erstmal keine Eile geboten, alle bis zum 31.3.07 eingehenden Bewerbungen haben die gleichen Chancen. Danach gibt es laut UEFA wieder eine “first com, first served”-Runde. Damit aber keiner vergisst, dass bald EM ist und sich Karten sichert, mache ich heute darauf aufmerksam. Als Dank dürft Ihr mich gerne nächsten Sommer mit ins Stadion nehmen.

hühner

Zwei Neuigkeiten, die eigentlich gar nicht so neu sind:

i amsterdam

imgp2197.JPG

Mit der einen Hand streicht er mittels eines Spatels den Schaum von den Biergläsern, so wie man das in Holland eben tut, mit der anderen hält er das Mikrophon. Lediglich Gesten genügen, um den Gästen zu verstehen zu geben, wie das hier funktioniert. Neben ihm seine Frau, auch sie zapft Bier. Sie passen kaum aneinander vorbei hinter der Bar. Das mag zum einen daran liegen, dass es eng ist in der kleinen Kneipe, zum anderen liegt es an dem riesigen Bierbauch, den der Mann in einem mit Blumen und nackten Frauen bedruckten Hemd vor sich herschiebt. Immer mehr Frauen mittleren Alters drängen in den Laden. Aus zwei Gründen sind sie heute hier: Keine macht den Eindruck als wäre sie verheiratet oder - selbst wenn - als wäre sie besonders von der Ehe überzeugt. Der andere Grund, weshalb die Ladies hierher kommen ist der dicke Mann hinter der Bar. Jeden Abend, an dem die Kneipe öffnet, immer dann, wenn es gerade richtig voll ist, greift er sich das Mikrophon und singt holländische Schlager. Lieder, die alle kennen, alle singen mit. Wenn man viel Glück hat, ist auch seine Frau in Stimmung und singt mit. Einige Gäste in Bierlaune leihen sich für einen Song das Mikrophon. Bewegen kann man sich kaum, in jeder Garage ist mehr Platz, und beim Gang zur Toilette muss man schon sehr nüchtern und aufmerksam sein, wenn man sich nicht den Kopf stösst. Die Wände quillen über vor Fotos. Dort kann man etliche holländische Größen bewundern, die lachend mit dem Mann und dem Mikrophon posieren. Alle waren sie da und haben mit ihm gesungen. Man kann nur erahnen, seit wie vielen Jahrzehnten dieses unvergleichliche Paar hinter dem Tresen steht und Schlager singt. An dem noch nicht ganz so großen Bauch auf einigen Fotos kann man zwar darauf schliessen, Bierbauchwachstum ist jedoch eher nicht proportional und Sicherheit gewinnt man also nicht.

Keine zehn Minuten Fußmarsch entfernt: Auch in diesem Laden ist es voll. Hinter der Bar, die die typische indirekte farbliche Beleuchtung der Flaschen nicht vermissen lässt, zwei Mittzwanziger. Längere Haare, Kleidung absolut up-to-date. Dreitagebart. Das Bier kostet das gleiche. Auf dieser Theke kann man sehen, dass hier Bier gestanden hat. Sonst würde sie glänzen. An den Wänden Büsten von Brüsten, im Keller roter Teppich. Lounge-Interieur würde man wohl sagen. Das Publikum jung, zwanzig, vielleicht dreißig Jahre alt. Das hippe Amsterdam gibt sich hier ein Stelldichein. Gutaussehend. Gut gelaunt. Ein wenig homophil. Man fühlt sich nicht weniger wohl als in der Schlagerkneipe. Nur anders.

Genau so ist Amsterdam. Entspannt. Tolerant. Für jeden etwas dabei. Neben dem Fahrrad fahrenden Durchschnittsholländer das Anzug tragende Business. Hier funktioniert das, ohne aufgesetzt zu wirken. Wenn man dann noch aufwachen kann und hinter dem Vorhang der Blick auf eine sonnenbeschienene Gracht wartet, kann man gar nicht anders als zufrieden sein und sich auf den Tag freuen.

Fotos gibt es natürlich auch, allerdings erst, wenn ich es geschafft habe, das besch… ein entsprechendes mir zusagendes plugin zu installieren.

tragik

In einer Zeit, in der man den Begriff Tragik getrost durch Anna-Nicole Smith ersetzen kann, in einer Zeit, in der drei Männer behaupten Vater ihrer Tochter zu sein (die im übrigen Dannielynn heißt, könnte das Pendant zum von meinem Mitbewohner präferierten männlichen Vornamen Danieler sein), in einer Zeit, in der man befürchten muss, dass ein Verein namens Schalke 04 Deutscher Meister werden könnte, kann man es da verzeihen, dass einem trotz schnellerem Computer die Zeit zum Bloggen fehlt? Und selbst wenn nicht, dann sei es eben dem Umstand geschuldet, dass ich morgen nach Amsterdam fahre und das ein wenig vorbereitet werden möchte.

Bevor ich dann in Wort und Bild aus einer der wunderbarsten Städte Europas berichte, noch kurz dies:

Dem Mac-User, dem durch Gebrauch mehrerer Browser das Übertragen der Lesezeichen lästig wird hat, sei dieser Artikel und dieses Programm empfohlen.

Ohne nähere Erläuterung dann noch einige Bilder aus einer einschlägigen Berliner Discothek. Keine Angst, ich habe sie nicht selbst gemacht. Wer sie gemacht hat, weiß ich nicht, sollte diese Person aber ernsthaft etwas auf ihre Rechte daran halten und sie hier nicht veröffentlicht sehen, so informiere sie mich bitte.

coole-typen.pnglecker.png

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In diesem Sinne wünsche ich heute schon mal ein schönes Wochenende.

i upgrade

Mann, hat es mich genervt, ständig dieses Zeichen vor Augen zu haben:

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Nach langen Überlegungen (neuer Rechner? hmmm…wär ja geil…aber kein Geld) kam ich dann zu dem Schluss, dass mittelfristig eine Erweiterung des Arbeitsspeichers zufriedenstellen müsste. Und es ist erstaunlich: zwar macht auch eine 1GB-Platine aus einem iBook keinen Hochleistungsrechner. Aber das Arbeiten ist doch wesentlich angenehmer. Oder sagen wir mal: es ist überhaupt wieder möglich. Allerdings hält mich das ein wenig vom wirklichen Arbeiten ab.

“schafft das, was uns verwehrt blieb”

Mit diesen Worten wünschten Jogi Löw und Oliver Bierhoff den deutschen Handballern erfolgreiches Agieren in Halb- und Finale. Die Handballer taten wie ihnen gewünscht und somit ist Deutschland in der mir als Zuschauer zweitwichtigsten Sportart Weltmeister. Wahnsinn, welch ein Wille und welch eine Tiefe in diesem Team zu stecken scheint. Jeden Rückschlag war man in der Lage zu kompensieren. Alle haben mindestens ein “Spiel des Lebens” gemacht. Und deshalb ist der Erfolg auch verdient.

Ich habe es glücklicherweise auch rechtzeitig zurück zum Finale nach Berlin geschafft. Angesichts der Rückfahrt aus Hamburg gestern nicht selbstverständlich. Bei Kilometer 42,6 (von HH aus gesehen) gab der Motor des Mitfahr-Autos auf und ADAC und Mietwagen etc. nehmen nun mal ihre Zeit in Anspruch. Aber ich war ja vorsorglich einen Tag vorher gefahren. Und wer will nicht Samstag Nachmittage/Abende in Wittenburg oder Schwerin verbringen?

handballfans rücken zusammen

Welch Freude überkam mich doch heute morgen als ich meine Jacke anzog, um in die Bibliothek zu fahren. Dieser liebliche Geruch nach Bier direkt vor meinem Gesicht hätte mich normalerweise gestört, erinnerte er mich nicht an diesen fantastischen Abend gestern. Nach einer wieder einmal unbequemen Fahrt mit einer Mitfahrgelegenheit - man sollte aber einfach auch nicht mit Typen mitfahren, die André heißen, BWL studieren, einen Peugeot Kombi fahren, diesen mit fünf Mann voll machen, zwölf Euro nach Hamburg nehmen, denken das sei Ökonomie und einen dann in Billwerder ‘rauslassen - stand gestern der primäre Grund meines Besuchs hier an. Als Besitzer einer Karte für das Halbfinale der Handball-WM zwischen Polen und Dänemark wollte man dennoch erstmal das Spiel der deutschen Mannschaft sehen. Als Location hierfür wurde die Sport-Kneipe (was für ein Wort eigentlich?) “Hunger & Durst” direkt am S-Bahnhof Stellingen auserkoren. Dort sollte auf einigen Fernsehern das Spiel laufen. Der Wirt holte ob seiner zahlreichen Kunden sogar die Gartenstühle nach drinnen und so war der ganze Laden ziemlich voll mit Stühlen und Leuten. Gegen Anfang der zweiten Halbzeit fingen plötzlich alle Fernseher an zu streiken. Trotz intensiver Bemühungen des vollbärtigen bemützten Chefs war über DVB-T einfach kein ZDF mehr zu bekommen (und komischerweise wirklich nur kein ZDF). Aber eines der Fernsehgeräte konnte ja über den Kabel- oder Satellitenanschluß weiter bedient werden. Also wurde nicht lange verhandelt, alle Leute stellten die Stühle weg und rückten stehenderweise so zusammen, dass eben jeder halbwegs einen Blick auf das Gerät hatte. Dazu musste sogar der Raum hinter der Bar genutzt werden. Schätzungsweise 100 Leute standen nun biertrinkenderweise vor, an und hinter der Bar und verfolgten dieses große Handballspiel zwischen Deutschland und Frankreich. Dass Andy und ich dabei dann auch noch einen alten Weggefährten aus Schulzeiten trafen, belustigte uns umso mehr. Wie die allgemeine Stimmung war, brauche ich wohl keinem erzählen, der das Spiel gesehen hat. Wer es nicht gesehen hat, tut mir nur leid. Jedenfalls war es durch diese Zufälligkeiten wieder fast wie zu WM 2006 Zeiten und der Wirt holte seine DigiCam heraus und fotografierte den Spass, weil er meinte, es würde ihm keiner glauben, was da los war. Wirklich. Da ich für irgendjemanden nachmittags noch eingesprungen war, um in der ColorLineArena Flyer zu verteilen und somit den Eintritt umsonst bekam, konnte ich nach dem deutschen Spiel noch meine Eintrittskarte an eine nette Dänin verkaufen und habe auch finanziell von dem Tag profitiert. Dass bei dem nicht minder spannenden Spiel zwischen Dänemark und Polen dann meine Jacke ein kleines Bierbad genommen hat, konnte meine Stimmung nicht trüben. Eben auch heute morgen nicht.

Da habe ich dann die Bibliothek der Hamburger Juristen aufgesucht. Architektonisch gelungen, gut zum Arbeiten, also sehr angenehm. Überhaupt immer wieder angenehm hier in Hamburg.

zentralbibliothek_recht_hh.jpg

Sonntag um 16.30h wird aber wieder in Berlin geguckt. Handball-WM-Finale. Bin offen für jeglichen Orts-Vorschlag, Sport-Kneipen bevorzugt.