i amsterdam

imgp2197.JPG

Mit der einen Hand streicht er mittels eines Spatels den Schaum von den Biergläsern, so wie man das in Holland eben tut, mit der anderen hält er das Mikrophon. Lediglich Gesten genügen, um den Gästen zu verstehen zu geben, wie das hier funktioniert. Neben ihm seine Frau, auch sie zapft Bier. Sie passen kaum aneinander vorbei hinter der Bar. Das mag zum einen daran liegen, dass es eng ist in der kleinen Kneipe, zum anderen liegt es an dem riesigen Bierbauch, den der Mann in einem mit Blumen und nackten Frauen bedruckten Hemd vor sich herschiebt. Immer mehr Frauen mittleren Alters drängen in den Laden. Aus zwei Gründen sind sie heute hier: Keine macht den Eindruck als wäre sie verheiratet oder - selbst wenn - als wäre sie besonders von der Ehe überzeugt. Der andere Grund, weshalb die Ladies hierher kommen ist der dicke Mann hinter der Bar. Jeden Abend, an dem die Kneipe öffnet, immer dann, wenn es gerade richtig voll ist, greift er sich das Mikrophon und singt holländische Schlager. Lieder, die alle kennen, alle singen mit. Wenn man viel Glück hat, ist auch seine Frau in Stimmung und singt mit. Einige Gäste in Bierlaune leihen sich für einen Song das Mikrophon. Bewegen kann man sich kaum, in jeder Garage ist mehr Platz, und beim Gang zur Toilette muss man schon sehr nüchtern und aufmerksam sein, wenn man sich nicht den Kopf stösst. Die Wände quillen über vor Fotos. Dort kann man etliche holländische Größen bewundern, die lachend mit dem Mann und dem Mikrophon posieren. Alle waren sie da und haben mit ihm gesungen. Man kann nur erahnen, seit wie vielen Jahrzehnten dieses unvergleichliche Paar hinter dem Tresen steht und Schlager singt. An dem noch nicht ganz so großen Bauch auf einigen Fotos kann man zwar darauf schliessen, Bierbauchwachstum ist jedoch eher nicht proportional und Sicherheit gewinnt man also nicht.

Keine zehn Minuten Fußmarsch entfernt: Auch in diesem Laden ist es voll. Hinter der Bar, die die typische indirekte farbliche Beleuchtung der Flaschen nicht vermissen lässt, zwei Mittzwanziger. Längere Haare, Kleidung absolut up-to-date. Dreitagebart. Das Bier kostet das gleiche. Auf dieser Theke kann man sehen, dass hier Bier gestanden hat. Sonst würde sie glänzen. An den Wänden Büsten von Brüsten, im Keller roter Teppich. Lounge-Interieur würde man wohl sagen. Das Publikum jung, zwanzig, vielleicht dreißig Jahre alt. Das hippe Amsterdam gibt sich hier ein Stelldichein. Gutaussehend. Gut gelaunt. Ein wenig homophil. Man fühlt sich nicht weniger wohl als in der Schlagerkneipe. Nur anders.

Genau so ist Amsterdam. Entspannt. Tolerant. Für jeden etwas dabei. Neben dem Fahrrad fahrenden Durchschnittsholländer das Anzug tragende Business. Hier funktioniert das, ohne aufgesetzt zu wirken. Wenn man dann noch aufwachen kann und hinter dem Vorhang der Blick auf eine sonnenbeschienene Gracht wartet, kann man gar nicht anders als zufrieden sein und sich auf den Tag freuen.

Fotos gibt es natürlich auch, allerdings erst, wenn ich es geschafft habe, das besch… ein entsprechendes mir zusagendes plugin zu installieren.

0 Responses to “i amsterdam”


  1. No Comments

Leave a Reply