Archive for October, 2007

kerner raus!

Ich konnte es mal wieder nicht fassen. Da schalte ich mal nebenbei ein Fußballspiel im Fernsehen ein. Soll ja vorkommen, dass man sowas macht. Roter Stern Belgrad vs. Bayern München in der Gruppenphase des UEFA-Cups. Im ZDF. Gut, kann man nichts machen. Besser als ProSieben. Moderation: Kerner. Wer auch sonst? Und was dieser Mensch sich wieder geleistet hat…. Die Chose mit Frau Herman lasse ich mal bewusst unkommentiert, aber hierzu kann ich mal ‘was sagen:

Da steht also Johannes B. in Belgrad an einem dieser in-häßlichen-Neubauten-stehen-solche-Dinger-als-Rednerpult-in- Konferenzräumen-rum-Moderations-Pulte und “moderiert das Spiel an”. Sein (zumindest emotional) wichtigstes Thema: Im Belgrader Stadion haben die Zuschauer an ihre Sitze sogenannte Kassenrollen montiert bekommen. Diese sind dafür vorgesehen, gleichzeitig von allen Plätzen kurz vor Anpfiff in den Innenraum geworfen zu werden. Das ergibt dann ein wunderschönes Bild, wenn zehntausende Kassenrollen im gleichen Moment durch die Luft (und sich dort abrollend) schweben, den gleichen Effekt kennt man beispielsweise bei Goldregen. Kennt man. Rangiert bei Insidern der Fanszene seit Langem unter dem Begriff “Choreographie”. Selbst dem aufs Fernsehen beschränkten Fussballfan sind diese Bilder seit mindestens zehn Jahren gerade in Süd- und Osteuropa nicht neu. Nur Kerner kennt sie offensichtlich nicht. Beschwert er sich doch mehrfach über das Untätigbleiben der UEFA angesichts der “gefährlichen” Wurfgeschosse dieser “Idioten”. Einige würden sogar “bis aufs Spielfeld” fliegen. Das veranlasst Kerner dann auch, einige Schritte zurück zu weichen, da er sich “selbst nicht mehr ganz sicher” fühlt.

Da läuft also ein langjähriger Fussballkommentator in Europas Stadien vor einigen Kassenrollen weg, die in dieser Art der Verwendung seit Jahren gang und gebe sind. Und echauffiert sich noch darüber, dass die UEFA nichts dagegen unternimmt.

Nun ja, wenn das allerdings der Weg ist, diesen Typ endlich loszuwerden, kann man nur die Frequenz der Stadionbesuche in Zukunft erhöhen.

Kackt sich JBK eigentlich in die Hose und verbuddelt sich selbst im Mittelkreis, wenn auf den Rängen bengalische Feuer oder gar Rauchpulver gezündet wird? Dann könnte man ja von den Rängen Klopapierrollen werfen, hat den gleichen Effekt wie Kassenrollen, ist aber nicht so “gefährlich”.

superhelden gesucht!

Dank der jeder-lässt-das-was-er-nicht-mehr-haben-will-andere-aber-vielleicht- noch-gebrauchen-können-Fensterbank im ersten Stock unseres Treppenhauses gibt es in der WG ein neues “Gemälde”. Es zeigt die Riege der bekanntesten Superhelden und schmückt nun die Wand über dem Esstisch. Ich bin ja zu anthroposophisch erzogen als dass ich alle Comic-Helden kennen könnte. Dennoch hat sich in der Kindheitsaufbereitung einiges an Comic- bzw. Superhelden-Kenntnis angesammelt. Dennoch bin ich mir bei zwei der zehn Welterretter nicht sicher, wie sie denn heißen. Vielleicht könnt Ihr mir ja helfen. Die roten Pfeile sind noch nicht letztgültig erforscht.

Und macht mich nicht fertig, wenn das jetzt Eure Lieblinge sind und ich sie nicht kenne. Ich kann doch nichts dafür.

superheroes3.jpg

Wen es interessiert, der Rest:

v.l.n.r.: Hawkman, Aquaman, Flash, Wonderwoman, Superman, Batman, ???, Green Lantern, Green Arrow, ???

new york op platt

So sehr ich mich über das deutsche Fernsehen aufrege, so sehr versöhnt es einen auch manchmal. Selten, aber manchmal. So geschehen am Donnerstag Abend im NDR Fernsehen. Ohne darauf zu achten, lief die Tagesschau (im Dritten) nebenbei und danach begann sogleich eine Sendung im Rahmen der “Plattdeutschen Woche” des NDR. Im Augenwinkel sah ich einen schwarzen Mann und eine blonde Frau vor der typischen New York-Kulisse (Broadway) stehen. Nicht weiter außergewöhnlich und eigentlich - läge die Fernbedienung nicht außer Reichweite - Zeit zum Um- oder Abschalten. Dann aber wurde ich stutzig. Denn der Schwarze snackt platt. Seine blonde Kollegin ist nur des Hochdeutschen mächtig und kommt uncool ‘rüber, aber er hat’s drauf. Es ist eine Sendung der Reihe “Länder, Menschen, Abenteur”, die über die Föhrer(!!!) Community in New York berichtet. In dieser Stadt gibt es mehr Föhrer als auf der Insel selbst. Und die werden von Yared Dibaba (so heißt der Kollege) in schönstem Platt interviewt. Man erfährt ihre Lebensgeschichten und mehr darüber, was in New York auch nicht anders funktioniert als in Boldixum oder Oevenum.

Ich jedenfalls habe mich sehr darüber gefreut und eine Dreiviertelstunde großen Spaß gehabt. Auf der Suche nach einem Wiederholungstermin der Sendung bin ich vorerst nicht fündig geworden, werde aber beizeiten mal beim NDR anfragen, ob eine Aufzeichnung irgendwo zu bekommen ist (wenigstens der Trailer ist aber online abrufbar). Zumal ja auch in meinem Freundeskreis ehemalige Bewohner der Insel sind und meine Eltern dort lange eine Wohnung besaßen, in der auch ich oft meine Sommer verbracht habe.

hase, zuckerpuppe oder mäusekin

In den letzten Tagen schwillt einem doch die Halsschlagader an wie Steve McClaren, wenn es gegen Deutschland geht. Unglaublich was in den deutschen Medien (und damit meine ich alle, inklusive Internet und Blogs) vor sich geht. Stichwort Dejagah und Herman. Ich verkneife mir einen Beitrag dazu und erzähle lieber eine freudvolle Geschichte:

Als inzwischen langjähriger und relativ zufriedener Kunde eines großen Mobilfunkanbieters bin ich mit den Gepflogenheiten vertraut, die dort üblich sind, wenn man sein mobiles Endgerät - in Fachkreisen auch Handy genannt - zur Reparatur gibt. Jenes wird dann vom freundlichen Mitarbeiter unter Aufnahme des vermeintlichen Fehlers angenommen und eingeschickt. Seinen Akku und die anderen, nicht fest mit dem Gerät verbundenen Teile, insbesondere die SIM-Karte darf man behalten. Und dann wartet man ca. drei Wochen darauf, endlich wieder telefonieren zu dürfen. Was ich nicht wusste - und was es bisher auch nicht gab - war, dass man für die handylose Zeit neuerdings ein Ersatzgerät zur Verfügung gestellt bekommt. Diese noble Geste empfing ich also heute morgen dankend und zog mit meinem Teilzeitgerät von dannen. Das war zwar kein “HighTech-Gerät” (O-Ton Verkäufer), aber in durchaus gutem Zustand und von ausreichender Qualität für die kommenden drei Wochen. Den Erhalt des Geräts quittierte ich mit einer Unterschrift auf einem - alles juristisch korrekt - Leihvertrag, der folgenden Passus enthielt:

“Das Leihgerät kann nach seiner Rückgabe anderen Kunden wieder leihweise zur Verfügung gestellt werden. Bitte löschen Sie deshalb vor Rückgabe des Leihgerätes zu Ihrem Schutz alle Telefonnummern, Kalendereinträge, SMS, MMS oder andere persönliche Daten!”

Ach was!, dachte ich. Nina* und Tim* hatten diesen Hinweis wohl nicht gelesen. Oder sie sind exhibitionistisch veranlagt. Jedenfalls wurde ich beim Durchblättern der Funktionen des Handys Zeuge einer SMS-Konversation, die Euch nicht vorenthalten bleiben soll. Ich beschränke mich allerdings auf die Highlights der Beziehung zwischen Nina* und Tim*, denn das Publikum braucht Hartes, um nicht einzuschlafen. Here we go:

“Scheint ja gutes tenniswetter zu sein+vermisse dich ganz doll+freu mich auf nachher liebe dich+deine kleine süsse maus”

“guten morgen mein mäusschen;) wünsch dir nen schönen tag und freu mich auf später… dein monchichi;)”

“Ja mach ich mein hase.brauchst dir keine sorgen machen. fast nur mädels u rest ü 25.gute nacht u freu mich auf morgen.love you!mäusschen”

“Hehe jo schaut so aus. bissel kalt vielleicht. aber wir sind ja beide heiße hühner.freu mich auch und liebe dich. bis später. fahr grad zur schule. tim*”

“PARTY-WEEKEND:Fr.28.9.NYC-PARTY MATRIX+Samstag 29.9.MEGA-partylink.de-PARTY auf 3000qm COLUMBIAHALLE…”

“bin hunde müde und schule muss ich auch noch ma gucken.bitte nich böse sein,ja?liebe dich dein mäusekin”

“…mein schokokeks”

“Mach 1! Dann nehm ich 2″diese SMS tut eigentlich nichts zur Sache, meinem Mitbewohner zuliebe muss die aber mit ‘rein
“Warum hast du gestern auf die 2.sms nicht geantwortet? Meld dich…”

“Na maus, hasiii gehst garnicht gut…”

“Ach hör bloß auf! Ich hab gestern Fisch gegessen u.der war wohl nicht mehr so gut!:(”

“…hab grad an dich gedacht und dachte,schreibst mal dein flipp…”

“…hab jetzt noch n block psycho und dann seh ich mein hasiiii:)freu mich!deinmäusekin”

“…VERMISS DICH SOO DOLL.PÜPPI MIT ZUCKER”"…verdammt doll.deine zuckerpuppe.hehe”

“..mein keks…”

“Hase warum gehst jetzt?so ab?schreiben tu ich nich mit ihm.warum sollte ich mich entscheiden?es gibt für mich nur einen.und das bist du!…”

“…war gestern schon schlafen u würde dich nie aufgeben wollen,aber warum sagst du das jetzt?er hat gar keinen stellenwert zu dir”

Die Nachrichten sind manchmal etwas aus dem Kontext gerissen, aber ich denke, das tut der Sache keinen Abbruch. Etwaige Rechtschreibfehler sind kein Versehen, sondern nur Ausdruck der Authentizität, ich habe alles im Original übernommen und all zu Intimes oder Belangloses weggelassen.

*Namen vom Verfasser geändert