gender studies

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Dieses Dogma der modernen Politik taucht nahezu täglich als Diskussionsgegenstand auf. Überall bemüht man sich - zumindest nach außen - durch Gesetze oder Richtlinien oder sonstige bindenden Bestimmungen dem allgegenwärtigen Verlangen danach gerecht zu werden. Dass dies weder gesetzlich vollends geschafft wurde, noch - oder besser geschweige denn - Realität geworden ist, wird sich wohl jeder vernünftige Mensch (und hier ist das Geschlecht tatsächlich egal) eingestehen müssen. Nun will ich jetzt hier nicht den Moralischen mimen und den status quo mit meinen Lösungsvorschlägen zu verbessern suchen. Vielmehr ist es mir anhand zweier kleiner Erlebnisse wieder in Erinnerung gerufen worden, warum dem so ist. Der Grund ist so simpel wie offensichtlich:

Männer und Frauen sind verschieden!

Letzte Woche Freitag Vormittag besuchte ich ein bekanntes Warenhaus am Herrmannplatz in Kreuzberg. Ich tat dies in Vorbereitung zu erwartenden Besuchs, dem ich nur das Beste an Speis und Trank zu servieren geplant hatte. Das ist dann einer der Momente, in denen man die hervorragende Lebensmittelabteilung des besagten Kaufhauses konsultiert. Denn dort kann man sich immer recht sicher sein, dass man bekommt, nach was es einen gelüstet. So war es auch diesmal. Als ich also - wie es meine Art ist - ein wenig gedankenverloren an diesem Vormittag durch das Geschäft schlenderte, kurze Pausen an Fleischtheke oder Kasse einlegte, fiel mir nach einer Weile etwas auf. Ich liess meinen Blick noch einmal durch den Laden schweifen und fand mein Gefühl bestätigt. Nicht nur, dass ich der einzige nicht dort arbeitende Mensch meines Alters war, ich war auch nahezu der einzige männliche Besucher des Hauses. Mit anderen Worten: Freitag Vormittag sind dort nur alte Frauen am Shoppen! Das ist in diesem Fall sicherlich nicht allein auf die Verschiedenheit der Geschlechter zurückzuführen, sondern hat auch und gerade mit der nach wie vor konservativen Rollenverteilung in Familien und der Lage des Warenhauses unter soziokulturellen Gesichtspunkten zu tun. Dennoch fand ich es bemerkenswert.

Ein anderes Indiz für obige These fiel mir neulich in der Bibliothek auf. Gern sitzt man ja vor seinen Büchern und Zetteln und lässt seinen Gedanken ein wenig mehr Freiheit als für ambitionierte Examenskandidaten gut ist - insbesondere wenn man es mal wieder mit so spannenden Themen wie den Gefahrtragungsregeln beim Werkvertrag zu tun hat. So landet mein Blick auf den sich auf ihrem Tisch befindlichen Sachen meiner Nachbarin, die gerade abwesend ist. Wahrscheinlich macht sie ihrer neuen StudiVZ-Gruppe alle Ehre und ist “auf dem Weg in die Bibliothek im Café hängengeblieben”. Ich schaue zurück auf meinen Teil des Tisches, wieder auf ihren. Irgendwie ist meiner zwar auch voll, aber nicht so. Also vergleiche ich mal - rein gedanklich - ihre Utensilien mit meinen. Ergebnis:

wir beide:

  • Aufzeichnungen in Zettel- oder Heftform
  • Gesetz
  • Kommentar
  • Karteikarten
  • Flasche Wasser

Ich:

  • Stift
  • Textmarker

Sie:

  • 2 Stifte
  • 2 Textmarker (selbstverständlich in verschiedenen Farben)
  • Lineal
  • Taschentücher
  • Kaugummis
  • Tipp-Ex-Band
  • Ohropax
  • Handcreme
  • Federtasche
  • Lippenstift

Einer weiteren Kommentierung bedarf dieses Erlebnis wohl nicht.

1 Response to “gender studies”


  1. 1 Bubbi

    Beim Lesen der Bilbliotheksszenerie hatte ich Tränen in den Augen. Endlich fasst jemand mal eine mir schon so oft aufgefallene Tatsache in die Worte in denen ich es nicht hätte ausdrücken können.

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