stettinski

Gepeinigt von Touristen, die zu ganz schlechter Musik vor der Bibliothek ihr Berlin-Erlebnis in Form von Eislaufen feiern, sucht man nach Möglichkeiten, die letzten Tage bis Weihnachten sinnvoll zu überbrücken. Abhilfe schaffen kann in solchen Situationen immer ein Ortswechsel. Ein Ausflug. Zum Beispiel nach Polen, in unserem Fall nach Stettin (oder korrekt: Szczecin). So kann man sich nämlich gleichzeitig noch ein Bild vom aktuellen Status des ersten EM-Gegners machen.

Wenn man sich von Kreuzberg aus mit dem Auto in Richtung Stettin aufmacht, kann ich die zunächst nahe liegende Ausfahrt aus imgp2818.JPGder Stadt übers Adlergestell nicht empfehlen. Ist nämlich eigentlich genau die falsche Richtung. Wenn man das dann in Altglienicke endlich auch merkt, sollte man schleunigst nach Norden abdrehen. Irgendwann schafft es aber auch der größte Depp, den richtigen Weg zu finden und landet - ob über die Autobahn direkt oder wie wir über einige unaussprechliche Vororte - letzten Endes in der Innenstadt von Stettin.

Stettin hat enorme +Punkte: man kann sich ein 4*-Hotel leisten, weil es das Gleiche kostet wie andernorts eine Jugendherberge; man kann aus gleichem Grund auch in die besten Restaurants der Stadt gehen; man kann danach zum Kuchen essen mitten im Zentrum im 22. Stockwerk eines Turms sitzen und über die nächtliche Stadt schauen (Café 22, sehr zu empfehlen, nicht nur wegen der wirklich hervorragenden Auswahl an Kuchen, z.B. die Tort Szwarzwaldzki(kein Scherz!), die beste ist aber die Tort Kajmakowy, sondern oder auch gerade wegen der sehr feierfreundlichen Öffnungszeiten, am Wochenende bis Mitternacht); man könnte kann sich in Kneipen betrinken; man kann weiterziehen in Jazzclubs und dort weiter trinken; man kann später einkehren in einen Club, der Rockmusik spielen soll, diesen muss man allerdings anhand der Beschreibung der Stettiner Studenten erstmal finden; man kann dann irgendwann ins Hotel zurückgehen, sich ausschlafen und den nächsten Tag mit einer Runde im Pool und einer weiteren im Jacuzzi beginnen; man kann sich an einem herrlichen Wintertag die Stadt erstmals bei Tageslicht betrachten und das übliche Sightseeingprogramm absolvieren; man kann nach einem kurzen Einkaufsbummel im Galaxy-Einkaufszentrum und einem letzten Stück Kuchen über der Stadt die Heimfahrt antreten und sich auf die abendliche Feier zurück in Berlin freuen.

Von -Punkten würde ich jetzt nicht sprechen, eher von kleinen Schönheitsfehlern, die gibt es dort aber: 4*-Hotel ist nicht gleich 4*-Hotel; man lebt in Polen zwar vergleichsweise günstig, wenn man richtig “auf die Kacke haut”, macht sich das hinterher aber sehr wohl finanziell bemerkbar; sogenannte Hamburger bestehen aus einem smteddy1.jpgFladenbrot mit zwei Frikadellen Buletten, ordentlich Krautsalat, sehr vielen sauren Gurken und noch mehr Sauce darin, das kommt gar nicht gut, wenn man sich auf einen Hamburger freut; so schön die Architektur der Stadt auch ist, man kommt nicht umhin zu bemerken, dass auch dort die Zeit im Ostblock ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen hat; man kann sich nur verständigen, wenn der/die Angesprochene Deutsch oder Englisch versteht (das liegt natürlich nicht an der Stadt, sondern daran, dass man einfach kein Polnisch versteht, geschweige denn sprechen kann); ohne eine präzise Karte findet man sich nur bedingt zurecht, Straßen oder Beschilderung kann man das jedenfalls nicht überall nennen.

Fotos vom Trip wie immer erstmal bei flickr, die persönlichen auch wie immer nur für Friends. Wohin auch immer Euer Weg Euch führen mag, ein Mal vor Weihnachten ‘raus der Stadt oder der sonst gewohnten Umgebung zu kommen, kann jedenfalls nicht schaden.

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