Archive for June, 2008

Finale

Es ist soweit.

Bitte, bitte Jungs, macht mich uns alle glücklich!

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Kreuzberg I vs. Kreuzberg II

Zurück aus Wien, zurück in Kreuzberg. Wo anders sollte man auch das FreundschaftsSpiel gegen Türkiye gucken? Außerdem musste ich ja zu meiner Befriedigung feststellen, dass man den Pokal nicht wie früher auf dem Frankfurter Römer (obwohl ich da ja schon alles vorbereitet hatte), sondern auf der Fanmeile am Brandenburger Tor präsentieren wird. Ist ja auch größer da alles. Nicht schöner, aber größer.

Was haben wir für großartige Spiele erlebt gegen Portugal und die Türkei? Das souveräne Kontrollieren der portugiesischen Offensive, versehen mit zwei kleinen Schönheitsfehlern und der Krampf gegen die Türken. Gut für Jogi Löw (oder mein neuer Lieblingsspitzname J-Low), dass er dieses Spiel vor der Bank hin- und herrennen auf der Bank sitzen durfte, sonst hätte er sich wahrscheinlich totgeraucht.

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Kreuzberg steht auch noch. Alles, was ich gesehen habe gestern Abend, war sowas von friedlich. Großes Kompliment an alle Türken hier, kaum einer, der neben seiner Türkei-Flagge nicht auch eine kleine deutsche am Auto, in der Hand, an der Satellitenschüssel am Balkon oder als Ohrring (kein Scheiß, hab ich gesehen, war aber eher ‘ne Frau) hatte. Und nach dem Spiel haben sie einfach mitgefeiert. Wie schon der Tiger sagte: “Hauptsache, wir machen beste Autokonvoi von Welt!” Genau! Ein Mal noch, am Sonntag, das wäre so schön!

Lagebericht aus Wien

Live-Blogging aus der Stadt, in der in elf Tagen Michael Ballack unseren Pokal in die Höhe stemmen wird!

Wenn man die Stimmung der deutschen Mannschaft einfangen will, muss man ihr möglichst nahe sein. Das tue ich. Am Sonntag reiste ich quasi parallel mit dem Team an, die Jungs aus dem Tessin, ich aus Frankfurt. Irgendwer musste ja schließlich auch nochmal im DFB-Hauptquartier nach dem rechten sehen, nicht auszudenken, was geschähe, wenn am nächsten Sonntag zur großen Empfangsfeier nicht alles perfekt vorbereitet ist. Abends stattete ich dann gleich persönlich der Wiener Bleibe der Deutschen einen Besuch ab. Ich selbst logiere nicht im Hilton, da 1.das Gebäude von außen zu hässlich ist und man mir 2.das Angebot machte, im Gasometer zu nächtigen, einem avantgardistischen Werk der Architekten von Coop Himmelblau. Dass die Teile optisch gelungen sind und auch innen gestalterisch wenig zu wünschen übrig lassen, unterschreibe ich. Wer aber, frage ich mich, hat bei den Stararchitekten mal an die Menschen gedacht, die darin wohnen sollen? Viele Fenster sind in den Wohneinheiten nicht machbar, okay. Aber die Belüftung hätte man besser lösen können. Na ja, Hauptsache es sieht gut aus.

Auch am Montag konnte ich den Spielern von der Straße vor ihrem Hotel Mut zusprechen und mal den Mannschaftsbus inspizieren. Alles in Ordnung. Ich selbst nahm dann die U-Bahn zum Stadion, da ich keine unnötige Unruhe im Bus stiften wollte. Dass ich nicht im Stadion sein konnte, ist einfach den horrenden Schwarzmarktpreisen geschuldet ist ja klar, die Jungs waren auch so schon nervös genug. Es hat dann ja aber alles geklappt und jetzt haben sich alle ein wenig Entspannung verdient. Die Mannschaft weilt im Tessin, der Trainer auf der Tribüne und mich verschlug es für einige Tage an den Neusiedler See.

Hier kann man mal abschalten, hier ist es ruhig. Abgesehen von dem Kindergarten der Jugendgruppe neben unserem Zelt, die nichts besseres zu tun haben als den ganzen Tag ihre noch nicht gemachten sexuellen Erfahrungen in einem “Wahl, Wahrheit oder Pflicht”-Spiel auszutauschen. Nett auch ihr Lehrer, der nachdem sich die Chose zwei Mal mit ihrem gesamten Inhalt auf dem Rasen verteilt hatte bei Befüllung unserer Müllsack-Kühlschrank-Konstruktion ob der Anzahl der Bierdosen nachfragte, ob wir denn noch viele Gäste erwarteten oder lange zu bleiben vorhätten. Beiden Fragen konnten wir entgegnen: “Nein, wir trinken nur viel!”

In diesem Sinne, entspannt Euch bis zum Viertelfinale

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EMtertainment

Yes! Noch ein paar mal schlafen, dann ist es wieder soweit. Endlich steht das nächste große Turnier an. Sicher, es wird nicht so wie die WM, die war in Deutschland und sie war WM und größer und länger und ich hatte ein Halbfinalticket und überhaupt. Zumindest fußballerisch ist einer EM aber tendenziell eine höhere Erwartungshaltung als einer WM entgegenzubringen. Und Österreich bzw. die Schweiz ist ja auch nicht weit weg.

Was aber ist denn notwendig, um adäquat auf dieses Ereignis vorbereitet zu sein? Ich meine, man braucht

  • die ausreichende emotionale Motivation. Man muss sich darauf freuen, Lust darauf haben, sonst nützt alles andere nichts. Ich freue mich spätestens seit der Stunde darauf, da ich in Dortmund das Westfalenstadion mit dem beschissenen Gefühl verließ, dass dieses Turnier gerade für mich emotional beendet war. Vielleicht freue ich mich auch schon seit dem Spiel gegen die Tschechen 2004 darauf oder gar seit 2000, als es ähnlich enttäuschend zuging. Tatsache ist nämlich, dass Deutschland seit dem EM-Finale 1996 kein Spiel bei einer Europameisterschaft mehr gewinnen konnte. Wenn das nicht Motivation genug ist.
  • die Zeit, auch entspannt die Spiele sehen zu können. Wie soll man sich sonst entspannen, wenn man weiß, dass man eigentlich gar keine Zeit hat, weil man arbeiten oder lernen oder sonstwas tun muss? Ich muss zwar auch arbeiten und lernen, aber glücklicherweise kann ich den Rahmen selbst bestimmen. Mich könnt ihr also immer anrufen, um Fußball zu gucken, ich bin dabei.
  • mindestens ein Tippspiel. Sonst gibt es gar keinen Grund, sich auch für Griechenland vs. Russland zu begeistern. Und man muss ja wenigstens zu Beginn des Turniers noch die Illusion haben, man sei ein echter Experte. Und wenn man es denn tatsächlich ist, refinanziert man damit seine drei Wochen. À propos: wer noch eines sucht oder wer gegen mich antreten will oder wer einfach noch nicht angemeldet ist, dem rate ich, dies schnellstens zu tun. Hier!
  • eine gute Public Viewing Location. Das ist wohl das Schwierigste. Denn dort sieht man schließlich erfahrungsgemäß die wichtigen Spiele. Diese darf nicht zu groß (Fanmeile) sein und nicht zu klein (eine Kneipe für 30 Leute ist nett, aber wenn man zu zehnt kommt, ist es meist schon zu voll). Außerdem muss die Athmosphäre stimmen, d.h. es sollten mehr als die Hälfte der Leute dort um des Fussballs willen hinkommen. Der Rest sollte sich zumindest damit abfinden, dass getrunken, geraucht, geschrien, gesprungen und geheult wird. Wo das nicht geht, bin ich zum letzten Mal gewesen. Sich hier festzulegen, ist a) heute gar nicht nötig und b) auch gar nicht möglich, da man sich erstmal ein Bild machen muss, wenn es losgegangen ist. Schade nur, dass man dafür nur einen Tag Zeit hat. Dann spielt Deutschland, dann ist keine Zeit mehr zum Ausprobieren!
  • eine gute Verpflegungssituation. Für mich ist das vornehmlich das Vorhandensein von Bier und etwas zu essen. Wenn man wie ich wegen meiner bescheuerten Planung vergessen hat, das Paket abzuschicken und damit nicht zu den glücklichen Gewinnern von 40 Kisten österreichischem Bier gehört, muss man sich mit dem örtlichen Getränkehandel zufrieden geben. Auch, wenn der gemein ist. Was das Essen angeht, braucht man entweder Zeit und Muße zum Kochen. Die hab’ ich bei Deutschlandspielen schon mal nicht. Oder das Glück eines halbwegs in der Nähe befindlichen Ladens, der Schmackhaftes zu fairen Preisen zuzubereiten in der Lage ist. Da habe ich in diesem Jahr außerordentliches Glück. Unten im Haus hat gestern (GESTERN!) eine neue Pizzeria eröffnet, deren Eröffnungsangebot (jede Pizza 2,50 Euro) wohl die nächsten drei Wochen andauern sollte. Und die Pizza ist wirklich in Ordnung. Was aber mach’ ich, wenn wir gegen Italien spielen?
  • eine gute Bleibe, in der man die weniger wichtigen Spiele gucken und sich den Rest der Zeit mit Arbeiten, Lernen, Schlafen oder Daddeln vertreiben kann. Auch da bin ich in einer hervorragenden Situation. Ich wohne in einer Wohnung mit mehreren Betten (Hammer!) und mehreren Fernsehern (Hammer!) und Internet (auch Hammer!). Und da aus unerfindlichen Gründen die Hausverwaltung den Bewohnern besagter Wohnung vor zwei Wochen mitteilte, dass sie wegen den im letzten Jahr eingesparten Betriebs- und Heizkosten eine deftige Rückzahlung bekommen, befindet sich auch ein Beamer (BEAMER!) und eine Nintendo Wii (ENDLICH!) auf dem Weg in diese Wohnung! Und das is’ mal rischtisch geil! Wer also noch nicht weiß, was man so machen kann, wenn gerade keine Spiele sind, ich wüsste da was…
  • einen Plan. Den braucht man nicht unbedingt, aber ich konnte nicht umhin für eine Europameisterschaft, die in so unmittelbarer Nähe stattfindet, den Plan zu schmieden irgendwie auch vor Ort zu sein. Und da ich noch nie wirklich in Wien war und sich ein ausgezeichneter Reisebegleiter gefunden hat, werde ich während des letzten Vorrundenspiels der deutschen Mannschaft (in Wien) und auch während des Viertelfinals (ebenfalls in Wien, wenn Deutschland Gruppenerster wird) in der EM-Stadt sein. Zwischendurch vielleicht mal irgendwo zum Baden raus aus der Stadt oder so. Karten haben wir natürlich nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wer mir aber welche schenken will, bitte! Dann Von dort ist es auch gut möglich, dass ich ein wenig bloggen werde. Könnte ja ganz interessant werden da unten. Wien-Tipps oder must-sees bitte in die Kommentare oder per e-mail an mich.

Mehr braucht es nicht. Außer Michael Ballack (mann, is’ der stark!)

Meine Herren, bin ich gut vorbereitet! Wie steht’s mit Euch?