…zum 1., zum 2. … uuuund ….

… ab in die Arbeitslosigkeit. Könnte man denken, spräche man hier von den juristischen Examina. Wäre ja auch nicht so abwegig in meiner Situation. Tue ich aber nicht.

Kürzlich ist mir ja meine geliebte Tasche inklusive aller meine bürgerliche Existenz belegenden Dokumente abhanden gekommen. Glücklicherweise konnte ich irgendwo noch meine Geburtsurkunde auftreiben, ansonsten ist das nämlich wirklich nicht so einfach, neue amtliche Ausweise etc. zu bekommen. Also war doch nicht alles in der Tasche.

Jedenfalls bin ich seitdem nicht nur ein Experte für Anträge jeglicher Art beim Bezirksamt (fragt mich, ich weiß jetzt bescheid), sondern gehöre auch zu den besten Kunden der Website des Berliner Fundbüros. Dort wird nämlich tatsächlich jedes gefundene Teil online gelistet, so dass ich mich regelmäßig (also täglich) voller Hoffnung durch die Kategorien klicke. Bisher natürlich ohne Erfolg. Als aufmerksamer Besucher der Seite ist mir allerdings eine andere Sache nicht verborgen geblieben: die Termine der Fundsachenversteigerungen. Der nächste Termin ist auch gleich einer der interessanteren: 29.07. Fahrräder.

Sowas wollte ich mir schon immer mal ansehen. So kam es also, dass ich mich mit zwei weiteren Interessierten am frühen Dienstag Morgen irgendwo in einem kleinen Industriegebiet in Schöneberg in einer Halle voller Fahrräder und Menschen, die sie zu kaufen gedachten, wiederfand. Man hat dort zunächst zwei Stunden Zeit, sich die Objekte der Begierde anzusehen, sich deren Nummer(n) zu notieren, um dann später in der Auktion auch das richtige zu ersteigern. Dabei kämpft man sich auf viel zu kleinem Raum durch Massen von stinkenden Leuten, die an den Rädern herumhantieren, probesitzen oder - ganz groß - auf der Suche nach ihrem eigenen gestohlenen sind.

Dann kann man sich schnell ein Mettbrötchen oder andere eklige Sachen ‘reinziehen (eklig jedenfalls um 9h30), nochmal die einzige von einem unglaublich dicken sprachfehlerbehafteten Mann bewachten Toilette aufsuchen oder sich die Zeit mit Rauchen vertreiben, bevor es losgeht. Nach laufender Nummer werden in beeindruckendem Tempo von einem schnauzbärtigen Mann mit einem Miniaturhammer die Räder an den Mann oder die Frau gebracht. Diese müssen dann bei den vollschlanken Damen in Blümchenbluse neben ihm sofort und in bar bezahlt werden. Zunächst überraschen mich die horrenden Summen, die trotz minderwertiger Teile hier geboten werden. Nach und nach relativiert sich das aber einigermaßen, für wirklich gute Fahrräder muss man jedoch auch hier seine Hunderter locker machen (aber auch nicht soo viele). Irgendwann habe ich dann mit meiner Minimalbietertaktik (höchstens 30 Euro, danach geht’s nämlich in 10er-Schritten weiter) auch noch einmal Glück und bekomme den Zuschlag für die Nummer 161. Da diese aber nur eine von ca. 40 Zahlen auf meinem Zettel ist (die Vorgabe der Auftraggeberin war: Hauptsache, es fährt und max. 40 Euro), weiß ich lediglich, welche Farbe das Rad hat, sonst kann ich mich an nichts erinnern. Das spannendste ist also das Abholen des Rads.

Gut, es hatte sicher schon bessere Tage gesehen. Aber nachdem ich alle Schrauben einmal festgezogen hatte und die Reifen aufgepumpt, bin ich richtig zufrieden. Sogar das Licht geht. Und das beste ist die Klingel. Allein deswegen hat sich der Spaß gelohnt.

2 Responses to “…zum 1., zum 2. … uuuund ….”


  1. 1 malte

    geil… offlineauktion! wie surreal…

  2. 2 Hannes

    Ich war mal in Münster auf einem Volksfest dabei, als Fundsachen von der Bahn versteigert wurden - man muss sich schon wundern, wie viele Leute ihr Fahrrad im Zug stehen lassen und da dann offensichtlich nicht einmal nachfragen. Andererseits, wenn ich dann sehe, dass Menschen über 100€ (in Worten: zweihundert Mark) für Taschen ausgeben ohne deren Inhalt zu kennen, wundert mich gar nix mehr.

    Seitdem nehme ich mir jedenfalls vor, mal nach Wuppertal zu fahren. Dort findet nämlich die reguläre Auktion der Fundsachen statt. An jedem sechsten Donnerstag im Monat, oder so. Aber ob ich da so eine schöne Klingel finde…

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