Chicago, IL

“Chicago, Chicago, that toddlin`town…. on State Street, that great street, I just wanna say, they do things that they don`t do on Broadway, they have the time, the time of their life…” sang einst der große Frank Sinatra über die Stadt, seine “home town”.

 

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Nun, ob diese Dinge auch heute noch auf der State Street geschehen, stelle ich mal in Frage. Die State Street ist neben der Michigan Avenue eine der beiden großen Einkaufsmeilen in Downtown. Und da passieren derzeit weniger aufregende Dinge. Es sei denn, man findet Einkaufen derart aufregend. Überhaupt ist Downtown eher architektonisch interessant, oder natürlich fürs big business. Die riesigen Skyscraper erinnern doch stark an Manhattan, auch wenn das kein local gerne hören wird. Der Sears Tower und seine kleinen Geschwister sind dennoch Kulisse für ein vorwiegend tagsüber stattfindendes Leben, das lange nicht so stressig wirkt wie New York City. Natürlich gibt es auch hier viele Menschen, Herumgerenne, tausende Autos, U-Bahnen und Lärm (besonders die U-Bahn, “The L”, macht Lärm). Und auch die das zwanghafte Buhlen, wer denn nun den “Längsten” hat, findet statt. Dieser Tage wird der Trump-Tower errichtet, höher als alle anderen Gebäude außer dem Sears Tower und jeder anständige deutsche Gerüstbauer würde sich wohl in die Hose kacken (das Vorhaben, mit dem Trump-Tower das höchste Gebäude der Welt hier zu errichten wurde nach 9/11 geändert). Und doch ist die Stimmung eine andere, man empfindet alles als nicht ganz so aufgesetzt wie andernorts. Einzigartig in Downtown ist wohl noch, dass man nur die Shoppingmeile nach Norden bis zu deren Ende laufen muss und direkt am Strand landet. Und zwar nicht an einem künstlichen Fleck Sehnsucht, sondern an einem richtigen Strand, mit Sand und Palmen und überzeugten Fitness-Freaks, die die Promenade entlangradeln/-joggen/-skaten. Dort irgendwo wohnt auch Oprah Winfrey, und die ist ja so eine Art Heilige in den Staaten.

 

Das wirkliche Chicago findet jedoch woanders statt. In Lincoln Park, Wicker Park und neuerdings Logan Square. Letztere momentan noch von Mexikanern dominierte Ecke bietet auch mir eine Schlafstatt. Es ist hier so wie überall, Lincoln Park wurde hip, die Menschen mit dickeren Geldbeuteln kamen. Diejenigen, die es hip werden ließen, mussten nach Wicker Park ziehen. Jetzt passiert gerade das gleiche in Richtung Logan Square.

 

Ich bin hauptsächlich in Wicker Park unterwegs, sehe mir Shops, Cafés, Restaurants und Leute an. Von Beginn an fühle ich mich in Chicago wohl, viel eher als dass zu Beginn in NYC der Fall war. Mag vielleicht aber auch daran liegen, dass ich “Eingeborene” kannte und kennenlernte und alles gezeigt bekam. Inklusive der Bar, in der es Beck`s aus Dosen und eine Nintendo-Konsole gibt. Und man natürlich den Barkeeper kennt.

 

Einen Tag vor meiner Abreise kommt dann auch Gustav, der Hurricane, oder das, was von ihm übrig ist, nach Chicago. Das bedeutet Regen. Kein Sturzregen, mehr so ein never ending rain. Den ganzen Tag. Ohne Pause. Hätte ich nicht noch mein Regencape aus Niagara Falls aufbewahrt (”I mean, it looks ridiculous, but…”), es wäre mehr als meine Hose und meine Schuhe so nass gewesen als hätte ich mit ihnen im Lake Michigan gebadet.

 

Es war auf keinen Fall das letzte Mal, dass ich in Chicago war. And, who knows, maybe Mr. Sinatra “will show me around”…

 

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