East Glacier Park, MT

“Go West, life is peaceful there…”, um es mal mit den Pet Shop Boys zu sagen. Mich trieb es also gen Westküste. Da es von Chicago nach Seattle ca. 2.200 Meilen sind und hier kein ICE zu bekommen war, muss man dafür eine gewisse Reisezeit in Anspruch nehmen. Der Zug als Reisemittel ist zwar recht komfortabel, aber eben langsam. So entschied ich mich für einen 24stündigen Zwischenstopp in einem der riesigen National Parks. Nach 29,5 Stunden im Zug war das eine “wise decision”, wie mir vor Ort dann mehrfach bestätigt wurde. Irgendwann, wenn man Wisconsin, Minnesota, North Dakota und 3/4 von Montana durchquert hat, während man stundenlang aus dem Fenster schauen konnte und dabei eine unvergleichliche Landschaft, jedoch keinen einzigen Menschen zu Gesicht zu bekam, kommt man in einem kleinen Ort namens East Glacier am Rande des gleichnamigen National Parks an.

Dort gibt es zwei Motels, zwei Hostels, zwei Restaurants, zwei Geschäfte und (geschätzte) zwei(hundert) Einwohner. Außerdem noch einige Anbieter von motorisierten Touren, die Glacier Park Lodge (so eine Art Hotel), eine Tankstelle und eben den Bahnhof.

Ich logiere im “Brownie’s Hostel”, einer kleinen Holzhütte mit urigen Zimmerchen in der ersten Etage und einem kleinen Store im Erdgeschoss. Den Namen trägt das Hostel völlig zu recht, denn stets wenn man an der Küche neben der Treppe in den ersten Stock vorbeikommt, steht die alte Besitzerin darin und bäckt. Cinnamon Rolls, Muffins jeglicher Couleur, Cookies und natürlich Brownies. Den ganzen Tag duftet es und ein sehr heimeliges Gefühl beschleicht einen. Außer mir gibt es auch nur ein paar andere Gäste, das Male Dorm (acht Betten) habe ich ganz für mich allein.

Nach einer sehr erholsamen Nacht versuche ich die bis zur Weiterfahrt verbleibenden Stunden möglichst sinnvoll zu nutzen. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg in das nächstgelegene Wandergebiet Two Medicine. Nach dem Ortsausgangsschild von East Glacier entscheide ich mich recht schnell fürs hitchhiking, denn bis man überhaupt da wäre, sind es schon 12 Meilen. Keine halbe Stunde später bin ich bereits in der Ranger Station und lasse mir eine Tour empfehlen, die in der Zeit zu bewältigen ist. Ich buche noch schnell ein Shuttle für den Rückweg (das einzige “öffentliche” Verkehrsmittel weit und breit) und starte in Richtung Rockwell Falls.

 

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Bald merke ich, dass ich schneller bin als gedacht und ich meine Route erweitern kann. 1.800 Höhenmeterfuß auf knapp 12 Meilen bewältige ich in 3,5h. Es ist gorgeous. Ein einmaliges Naturerlebnis. Außer vielleicht in Schweden war ich noch nie vorher so fernab von der Zivilisation, keine Autos, keine Menschen, im Umkreis von 200 Meilen nichtmal Handyempfang.

Ich bin ja eigentlich nicht so der Naturbursche, naja, momentan vielleicht äußerlich, aber das hat mich wirklich begeistert. Besser kann man einen Tag zwischen zwei langen Zugfahrten gar nicht verbringen.

Abends hole ich dann noch schnell meine Sachen aus dem Hostel, gönne mir einen Buffalo Burger und einen Huckleberry Pie (die Huckleberries wachsen wohl nur in wenigen Gebieten) in einem der zwei Restaurants und kehre zum Bahnhof zurück. Lächerliche 16 Stunden später bin ich schon in Seattle.

 

Fotos

 

Hostel 

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