Archive for the 'Erfahren + Erleben' Category

gender studies

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Dieses Dogma der modernen Politik taucht nahezu täglich als Diskussionsgegenstand auf. Überall bemüht man sich - zumindest nach außen - durch Gesetze oder Richtlinien oder sonstige bindenden Bestimmungen dem allgegenwärtigen Verlangen danach gerecht zu werden. Dass dies weder gesetzlich vollends geschafft wurde, noch - oder besser geschweige denn - Realität geworden ist, wird sich wohl jeder vernünftige Mensch (und hier ist das Geschlecht tatsächlich egal) eingestehen müssen. Nun will ich jetzt hier nicht den Moralischen mimen und den status quo mit meinen Lösungsvorschlägen zu verbessern suchen. Vielmehr ist es mir anhand zweier kleiner Erlebnisse wieder in Erinnerung gerufen worden, warum dem so ist. Der Grund ist so simpel wie offensichtlich:

Männer und Frauen sind verschieden!

Letzte Woche Freitag Vormittag besuchte ich ein bekanntes Warenhaus am Herrmannplatz in Kreuzberg. Ich tat dies in Vorbereitung zu erwartenden Besuchs, dem ich nur das Beste an Speis und Trank zu servieren geplant hatte. Das ist dann einer der Momente, in denen man die hervorragende Lebensmittelabteilung des besagten Kaufhauses konsultiert. Denn dort kann man sich immer recht sicher sein, dass man bekommt, nach was es einen gelüstet. So war es auch diesmal. Als ich also - wie es meine Art ist - ein wenig gedankenverloren an diesem Vormittag durch das Geschäft schlenderte, kurze Pausen an Fleischtheke oder Kasse einlegte, fiel mir nach einer Weile etwas auf. Ich liess meinen Blick noch einmal durch den Laden schweifen und fand mein Gefühl bestätigt. Nicht nur, dass ich der einzige nicht dort arbeitende Mensch meines Alters war, ich war auch nahezu der einzige männliche Besucher des Hauses. Mit anderen Worten: Freitag Vormittag sind dort nur alte Frauen am Shoppen! Das ist in diesem Fall sicherlich nicht allein auf die Verschiedenheit der Geschlechter zurückzuführen, sondern hat auch und gerade mit der nach wie vor konservativen Rollenverteilung in Familien und der Lage des Warenhauses unter soziokulturellen Gesichtspunkten zu tun. Dennoch fand ich es bemerkenswert.

Ein anderes Indiz für obige These fiel mir neulich in der Bibliothek auf. Gern sitzt man ja vor seinen Büchern und Zetteln und lässt seinen Gedanken ein wenig mehr Freiheit als für ambitionierte Examenskandidaten gut ist - insbesondere wenn man es mal wieder mit so spannenden Themen wie den Gefahrtragungsregeln beim Werkvertrag zu tun hat. So landet mein Blick auf den sich auf ihrem Tisch befindlichen Sachen meiner Nachbarin, die gerade abwesend ist. Wahrscheinlich macht sie ihrer neuen StudiVZ-Gruppe alle Ehre und ist “auf dem Weg in die Bibliothek im Café hängengeblieben”. Ich schaue zurück auf meinen Teil des Tisches, wieder auf ihren. Irgendwie ist meiner zwar auch voll, aber nicht so. Also vergleiche ich mal - rein gedanklich - ihre Utensilien mit meinen. Ergebnis:

wir beide:

  • Aufzeichnungen in Zettel- oder Heftform
  • Gesetz
  • Kommentar
  • Karteikarten
  • Flasche Wasser

Ich:

  • Stift
  • Textmarker

Sie:

  • 2 Stifte
  • 2 Textmarker (selbstverständlich in verschiedenen Farben)
  • Lineal
  • Taschentücher
  • Kaugummis
  • Tipp-Ex-Band
  • Ohropax
  • Handcreme
  • Federtasche
  • Lippenstift

Einer weiteren Kommentierung bedarf dieses Erlebnis wohl nicht.

new york op platt

So sehr ich mich über das deutsche Fernsehen aufrege, so sehr versöhnt es einen auch manchmal. Selten, aber manchmal. So geschehen am Donnerstag Abend im NDR Fernsehen. Ohne darauf zu achten, lief die Tagesschau (im Dritten) nebenbei und danach begann sogleich eine Sendung im Rahmen der “Plattdeutschen Woche” des NDR. Im Augenwinkel sah ich einen schwarzen Mann und eine blonde Frau vor der typischen New York-Kulisse (Broadway) stehen. Nicht weiter außergewöhnlich und eigentlich - läge die Fernbedienung nicht außer Reichweite - Zeit zum Um- oder Abschalten. Dann aber wurde ich stutzig. Denn der Schwarze snackt platt. Seine blonde Kollegin ist nur des Hochdeutschen mächtig und kommt uncool ‘rüber, aber er hat’s drauf. Es ist eine Sendung der Reihe “Länder, Menschen, Abenteur”, die über die Föhrer(!!!) Community in New York berichtet. In dieser Stadt gibt es mehr Föhrer als auf der Insel selbst. Und die werden von Yared Dibaba (so heißt der Kollege) in schönstem Platt interviewt. Man erfährt ihre Lebensgeschichten und mehr darüber, was in New York auch nicht anders funktioniert als in Boldixum oder Oevenum.

Ich jedenfalls habe mich sehr darüber gefreut und eine Dreiviertelstunde großen Spaß gehabt. Auf der Suche nach einem Wiederholungstermin der Sendung bin ich vorerst nicht fündig geworden, werde aber beizeiten mal beim NDR anfragen, ob eine Aufzeichnung irgendwo zu bekommen ist (wenigstens der Trailer ist aber online abrufbar). Zumal ja auch in meinem Freundeskreis ehemalige Bewohner der Insel sind und meine Eltern dort lange eine Wohnung besaßen, in der auch ich oft meine Sommer verbracht habe.

hase, zuckerpuppe oder mäusekin

In den letzten Tagen schwillt einem doch die Halsschlagader an wie Steve McClaren, wenn es gegen Deutschland geht. Unglaublich was in den deutschen Medien (und damit meine ich alle, inklusive Internet und Blogs) vor sich geht. Stichwort Dejagah und Herman. Ich verkneife mir einen Beitrag dazu und erzähle lieber eine freudvolle Geschichte:

Als inzwischen langjähriger und relativ zufriedener Kunde eines großen Mobilfunkanbieters bin ich mit den Gepflogenheiten vertraut, die dort üblich sind, wenn man sein mobiles Endgerät - in Fachkreisen auch Handy genannt - zur Reparatur gibt. Jenes wird dann vom freundlichen Mitarbeiter unter Aufnahme des vermeintlichen Fehlers angenommen und eingeschickt. Seinen Akku und die anderen, nicht fest mit dem Gerät verbundenen Teile, insbesondere die SIM-Karte darf man behalten. Und dann wartet man ca. drei Wochen darauf, endlich wieder telefonieren zu dürfen. Was ich nicht wusste - und was es bisher auch nicht gab - war, dass man für die handylose Zeit neuerdings ein Ersatzgerät zur Verfügung gestellt bekommt. Diese noble Geste empfing ich also heute morgen dankend und zog mit meinem Teilzeitgerät von dannen. Das war zwar kein “HighTech-Gerät” (O-Ton Verkäufer), aber in durchaus gutem Zustand und von ausreichender Qualität für die kommenden drei Wochen. Den Erhalt des Geräts quittierte ich mit einer Unterschrift auf einem - alles juristisch korrekt - Leihvertrag, der folgenden Passus enthielt:

“Das Leihgerät kann nach seiner Rückgabe anderen Kunden wieder leihweise zur Verfügung gestellt werden. Bitte löschen Sie deshalb vor Rückgabe des Leihgerätes zu Ihrem Schutz alle Telefonnummern, Kalendereinträge, SMS, MMS oder andere persönliche Daten!”

Ach was!, dachte ich. Nina* und Tim* hatten diesen Hinweis wohl nicht gelesen. Oder sie sind exhibitionistisch veranlagt. Jedenfalls wurde ich beim Durchblättern der Funktionen des Handys Zeuge einer SMS-Konversation, die Euch nicht vorenthalten bleiben soll. Ich beschränke mich allerdings auf die Highlights der Beziehung zwischen Nina* und Tim*, denn das Publikum braucht Hartes, um nicht einzuschlafen. Here we go:

“Scheint ja gutes tenniswetter zu sein+vermisse dich ganz doll+freu mich auf nachher liebe dich+deine kleine süsse maus”

“guten morgen mein mäusschen;) wünsch dir nen schönen tag und freu mich auf später… dein monchichi;)”

“Ja mach ich mein hase.brauchst dir keine sorgen machen. fast nur mädels u rest ü 25.gute nacht u freu mich auf morgen.love you!mäusschen”

“Hehe jo schaut so aus. bissel kalt vielleicht. aber wir sind ja beide heiße hühner.freu mich auch und liebe dich. bis später. fahr grad zur schule. tim*”

“PARTY-WEEKEND:Fr.28.9.NYC-PARTY MATRIX+Samstag 29.9.MEGA-partylink.de-PARTY auf 3000qm COLUMBIAHALLE…”

“bin hunde müde und schule muss ich auch noch ma gucken.bitte nich böse sein,ja?liebe dich dein mäusekin”

“…mein schokokeks”

“Mach 1! Dann nehm ich 2″diese SMS tut eigentlich nichts zur Sache, meinem Mitbewohner zuliebe muss die aber mit ‘rein
“Warum hast du gestern auf die 2.sms nicht geantwortet? Meld dich…”

“Na maus, hasiii gehst garnicht gut…”

“Ach hör bloß auf! Ich hab gestern Fisch gegessen u.der war wohl nicht mehr so gut!:(”

“…hab grad an dich gedacht und dachte,schreibst mal dein flipp…”

“…hab jetzt noch n block psycho und dann seh ich mein hasiiii:)freu mich!deinmäusekin”

“…VERMISS DICH SOO DOLL.PÜPPI MIT ZUCKER”"…verdammt doll.deine zuckerpuppe.hehe”

“..mein keks…”

“Hase warum gehst jetzt?so ab?schreiben tu ich nich mit ihm.warum sollte ich mich entscheiden?es gibt für mich nur einen.und das bist du!…”

“…war gestern schon schlafen u würde dich nie aufgeben wollen,aber warum sagst du das jetzt?er hat gar keinen stellenwert zu dir”

Die Nachrichten sind manchmal etwas aus dem Kontext gerissen, aber ich denke, das tut der Sache keinen Abbruch. Etwaige Rechtschreibfehler sind kein Versehen, sondern nur Ausdruck der Authentizität, ich habe alles im Original übernommen und all zu Intimes oder Belangloses weggelassen.

*Namen vom Verfasser geändert

Lektion Kreuzberg - für Nicht-Berliner

Mittwoch Nachmittag. Irgendwo in Kreuzberg. Ich sitze an meinem Schreibtisch. Die Fenster sind geöffnet, der übliche Straßenlärm dringt zu mir herauf. Nach einigen Jahren Berlin haben sich Körper und Geist daran gewöhnt. So ist auch geistige Arbeit mit dem gewissen Hintergrund-Summen/Brummen/Quietschen/Schreien/Hupen möglich.

Draußen hupt jemand. Das registriere ich schon gar nicht mehr. Vielleicht auch, weil mein Zivildienst im Kindergarten mich noch resistenter gegen jegliche akustische Beeinträchtigung gemacht hat. Solange nicht ein übergewichtiges Kind schreiend an meinem Hosenbein hängt und mich am Gehen hindert oder gar auf mir herumspringt, lässt mich das alles kalt. Der Jemand vor der Tür lässt aber nicht locker, hupt weiter. Länger. Öfter. Jetzt nervt es mich doch. Irgendeinen besonderen Grund muss es geben, sonst macht das hier keiner. Ich stehe also auf und gehe zum Fenster. Auch, weil ich weiß, dass das Auto, das ich gerade zur Verfügung habe, vor der Tür geparkt ist. Meiner Erinnerung nach jedoch vor der Hauseinfahrt und hinter einem Halteverbotsschild (siehe Bild), also im Sinne der deutschen Behörden nicht zu beanstanden. Und doch ist es in meinem Fall immer besser mal nachzusehen, denn ich habe eine Sturheit entwickelt, die es mir verbietet für einen Parkplatz zu bezahlen. Ich kaufe nie Parkscheine oder fahre durch kostenpflichtige Schranken, wenn ich mir bewusst bin, dass es keine Möglichkeit des Entrinnens ohne Bezahlen gibt. Ähnlich halte ich es auch mit öffentlichen Toiletten. Nur, dass einem dort manchmal das moralische Gewissen gegenüber der Klofrau einen Strich durch die Rechnung macht. Der Blick aus dem Fenster offenbart mir eine logische Erklärung. In einem Mietwagen (Kategorie Sprinter) sitzt bei offener Tür ein Mann, Mitte 50, Hemd, Stoffhose, Haarkranz um die Glatze, und haut alle paar Sekunden auf die Hupe. Für mich gibt es genau drei Möglichkeiten, was der Typ damit bezwecken will:

  1. er möchte, dass irgendwer aus dem Haus nach draußen kommt
  2. der Wagen vor “meinem” (der kleine blaue) soll wegfahren
  3. der Wagen hinter mir soll weg

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Da ich mich nicht angesprochen fühle und auch keine schnelle Lösung des Problems erkenntlich ist, kehre ich zur Arbeit zurück. Das Hupen erstirbt auch irgendwann. Eine halbe Stunde später höre ich es draußen erneut lärmen. Wieder der Blick aus dem Fenster. Hinter dem Miettransporter steht jetzt ein Abschleppwagen, dahinter die Polizei. Ouha! Ob die doch mich meinen? Mal lieber gucken gehen. Autoschlüssel geschnappt, Schuhe an, Wohnungsschlüssel nicht vergessen, raus. Zwei Treppen tiefer komme ich nicht weiter, da der Haarkranz-Typ mit einem jungen Mann meines Alters gemeinsam einen IKEA-Schrank um die Treppenkehre zu manövrieren versucht. Alles klar! Papa (und Mama auch, wie sich später herausstellt) ist mit’m Sprinter aus Baden-Württemberg (bin nicht sicher, aber die Wahrscheinlichkeit ist in Berlin ja recht groß) gekommen und hilft Töchterchen beim macht Töchterchens Umzug. Im Hauseingang auf der Schwelle zur Straße gibt der IKEA-Schrank auf und kracht zu meiner inneren Belustigung auf den Boden. Papa und (Ex-)Mitbewohner der Tochter halten lediglich das Gerippe in den Händen. Ich erkundige mich nach dem Begehr von Papa bzw. Abschlepper und Polizei. Es handelt sich um den Wagen hinter mir, der “die Einfahrt zum Haus versperrt” (Anm. d. Verf.: das Foto ist später entstanden, es stand dort ein Wagen, der tatsächlich die gesamte Einfahrt einnahm). Dazu muss man sagen, dass dort kein Verbotsschild steht, lediglich die gezackte Linie auf dem Boden verrät das Verbot. Jeder, der hier wohnt, weiß allerdings, dass niemand in unsere Hauseinfahrt ‘reinfahren, ergo auch niemand durch ein Parken gestört werden kann. Papa allerdings hatte wohl geplant, rückwärts mit seinem Transporter vor die Tür zu fahren und dort einzuladen. Dass dieser Plan von den Kreuzberger Anarchisten durchkreuzt wurde und er nun die Möbel 2 Meter (in Worten: zwei!) weiter tragen musste, quittierte er dann mit einem Anruf bei der Polizei. Die ganze Aktion war natürlich der gemeinen Nachbarschaft nicht verborgen geblieben und hatte insbesondere den Besitzer des Spätkaufladens im Nachbarhaus auf den Plan gerufen. Dieser versuchte gemeinsam mit einem weiteren Kollegen Abschleppunternehmen und Polizei davon abzuhalten, das Auto abzutransportieren. Erschwert wurde deren Unterfangen teils durch die - gerade im Erregungszustand - mangelnde Fähigkeit, sich in der deutschen Sprache gegenüber den Offiziellen adäquat zu artikulieren, teils durch das zwanghafte Verlangen zwischendurch immer wieder den Möbel verladenden Papa verbal zu attackieren. Späti-Besitzer und Kollege kannten nämlich den Eigner des vom Abschleppen bedrohten Fahrzeugs. Der kleine, der deutschen Sprache noch weniger mächtige Kollege witterte eine teure Ungerechtigkeit gegen einen Freund, der Späti-Typ wohl eher einen dadurch bedingten Einnahmeausfall. Nach weiteren wilden Handygesprächen und gestenreichen Hasstiraden gegen Papa hatten sie es endlich geschafft, den Besitzer des Autos zu verständigen und selbiger konnte gerade noch erreichen, dass sein Auto die zehn Zentimeter, die es bereits in der Luft schwebte als er kam wieder heruntergelassen wurde und er wohl lediglich die Anfahrtsgebühr des Abschleppunternehmens berappen muss. Völlig verständnislose wütende “Einheimische” zogen sich langsam zurück, ein mit “Anzeige wegen Beleidigung” drohender Papa belud weiter seinen Transporter. Damit hätte die Aktion eigentlich beendet sein können. Wären wir nicht nicht in Kreuzberg. Zwei andere Jungs aus dem Haus gegenüber hatten nämlich auch Wind von der Chose bekommen. Zunächst fuhren sie nur langsam an dem Transporter vorbei und waren eine halbe Stunde weg. Dann aber kam einer von ihnen mit ihrem Wagen zurück und parkte so hinter dem Transporter, dass dieser die Türen nicht mehr öffnen konnte. Papa kam ‘raus und regte sich furchtbar auf. Ein Grund mehr für den Aggroparker ihn nochmal richtig anzupöbeln.

Herzlichen Willkommen in Kreuzberg!

Ziehsch fai nägscht Mol ins annere Eck, gell!

lieblingsplätze im sommer

Zurück in Deutschland. Und zwar richtig: Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, Schleswig-Holstein. So richtig zum wieder Eingewöhnen. Bleibe dann erstmal dort, wo es bei dem Wetter am schönsten ist: ganz oben im Norden! Und genieße das, was man eben so macht in der Heimat: Hecke schneiden bei Muttern, Haus streichen bei Vatern, aber auch frühstücken und grillen im Garten oder beim Brötchen holen die Segelschiffe auf der Ostsee bewundern. Oder mich mit dem Rechner auf die Terrasse setzen. Und doch dauert es noch bis ich wirklich wieder in der Online-Welt angekommen bin.

Hier has’se aber auch die Ruhe wech!

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Bild via

vom strippen auf usedom

So einfach ist es, jemanden mit einer gelungenen Überschrift zum Lesen zu bringen. Vielleicht geht es gar nicht ums Ausziehen, vielleicht aber genau darum. Lest selbst:

Wenn 30° im Schatten sind, gibt es für Berliner kaum etwas Besseres als auf der Insel Usedom am Strand zu liegen. Nein! Stimmt so nicht ganz. Für mich gab es am letzten Wochenende nichts Besseres. Aber ich bin auch kein Berliner. Andere waren da genauso glücklich, als sie auf der Rückfahrt die erste große Platte vom letzten Stück Stadtautobahn aus Norden kommend erspähen konnten (wer mal aus Richtung Hamburg über die Prenzlauer Promenade/Allee in die Stadt ‘reingefahren ist, weiß, was ich meine). Zwar kündigt sich Berlin schon einige Kilometer früher deutlich durch den wohl am schlimmsten heruntergekommenen Straßenbelag, den eine deutsche Autobahn zu bieten hat, an. Doch erst bei diesem riesigen Gebäude ließen sich meine Berliner Mitfahrer zu der Aussage hinreißen: “Na, kiek ma, dit is doch vühl besser jetze, da fühl’ick mir doch gleisch viel wohla!”

Vasteh ick zwar nich, hamse aber so jesagt. Eine mögliche Erklärung der Freude über die Rückkehr ist das nicht so ganz harmonische Verhältnis zwischen der 14-köpfigen Gruppe Handballern (der auch ich angehörte) und den Dauercampern auf dem Campingplatz “Pommernland” in Zinnowitz auf Usedom. Ist aber auch schwierig, gemeinsame Interessen zu finden mit Mittfünfzigern, die ihren Wohnwagen dort stehen haben und den lieben langen Tag mit Vorliebe - meine Freunde würden sagen “mit wehender Banane” - den Strand respektive Campingplatz mit ihrer Anwesenheit beglücken. Frei nach dem Motto “FKK is everywhere!” Versteh’ mich keiner falsch. Ich habe wirklich nichts gegen nackte Körper, ganz im Gegenteil, aber es bestehen doch mittlerweile gehörige Unterschiede zwischen dem Lifestyle der Vorgänger-Generation Ost-Urlauber und der heutigen (mit der ich unterwegs war). So ist es wohl verständlich, dass die Campingplatzbetreiber sich lieber der alten und zahlreicher vertretenen Generation anschließen würden und uns - zumindest in dieser Konstellation - doch erstmal keine Dauerkarte für ihr Areal überreichen mochten. Das tat jedoch der Stimmung nicht wirklich Abbruch, man arrangiert sich.

Wenn die Reise neben dem sogenannten “Teambuilding” noch andere Effekte hatte, dann den, dass ich dank meines Aufenthalts auf der Nordseite der Insel inzwischen mir selbst die Bezeichnung Usedom-Kenner verleihen kann. Sollte also jemand vorhaben, dorthin zu fahren und keine Ahnung haben, kann er mich gerne fragen. Und das, obwohl ich meine Zeit dort größtenteils gar nicht nackt verbracht habe.

maria, das hätte ich nicht von dir gedacht (2)

Heute berichtete dann auch spreeblick über die Razzia, mit einem ganz interessanten Link zu einem Augenzeugen. Einem, der an diesem Abend leider feststellen musste, dass es eine Underground-Party in dieser Stadt gibt, von der wirklich nur Eingeweihte wissen: Der Polizeiball. Was man dort so über das Vorgehen der Grünen in der Maria liest, ist im Lichte meiner kürzlich erworbenen Polizeirechtskenntnisse doch mehr als fragwürdig. Pretty Underground eben.

pretty underground via

maria, das hätte ich nicht von dir gedacht

Samstag Nacht. Ca. 3h30. Berlin Friedrichshain. Auf dem Weg von einem Geburtstag im P’berg zurück nach Kreuzberg. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss man zwangsläufig an irgendeiner Stelle die Spree überqueren. Ich tue das meist über die (Schilling-)Brücke am Ostbahnhof. So auch letzte Nacht. Dort sah man zwar schon von weitem Blaulicht, aber in Berlin wundert man sich darüber eigentlich nicht mehr und macht sich erst recht keine weitergehenden Gedanken. Die Petermännchen haben sicherlich ihre Mission und dann sollen sie doch.

Diesmal waren es allerdings ziemlich viele Petermännchen und ziemlich viele von ihren Peterwagen. Anders gesagt: die gesamte Brücke stand voll, alles abgesperrt. Als Radfahrer konnte man zwar ungehindert passieren, wunderte sich aber schon. Was machen die denn da? Auf der Schillingbrücke gibt es ja sonst nichts zu sehen, auch nicht für die Grünen. Blieb also nur die Maria. Und der erste Gedanke: Razzia.

So war es dann auch. Von 2h bis 5h40 mit Drogenhunden durch den Club. Herrlich. An alle Drogenabhängigen: Die Maria sollte in nächster Zeit safe sein. Oder gerade nicht, wenn den Jungs mal wieder langweilig ist. Gut, das war nicht die erste Razzia in dieser Stadt und außer den Leuten in dem Club wird wohl kaum jemand Notiz davon genommen haben, aber eine Sache finde ich doch ganz amüsant. In der Pressemeldung der Polizei wird wie folgt formuliert: “Da die Beamten den Verdacht hatten, dass dort auch mit Rauschgift gehandelt wird, …”

Mann! Die handeln da mit Rauschgift! Also das hätte ich nun wirklich nicht gedacht. In Berlin. In einem Club. Rauschgift?

après hurricane

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Jajaja. Wird Zeit. Kann eben nicht jeder eine Woche seines Lebens dem Festival opfern und dann auch noch darüber schreiben. Ja, wenn man ehrlich ist, dauert das alles insgesamt eine Woche. Mit Planung, Einkaufen, Hinfahrt, die drei Tage dort sind aus meinem Gedächtnis verschwunden, das Festival an sich, Rückfahrt, wieder klar kommen etc.

Die Veranstaltung eines Festivals ist - wie so vieles im Leben - doch recht simpel. Man nehme eine große Fläche irgendwo möglichst weit weg von aller Zivilisation, dort errichte man eine Menge Zäune, Bühnen und Buden. Unvermeidlich karre man auch noch ein paar mobile Toiletten und andere Sanitäreinrichtungen dorthin, lade sich bekannte Musiker ein und verkaufe zu horrenden Preisen Karten an das fickfeierwillige Volk.

Das kommt dann, baut seine Zelte und - ganz wichtig - Pavillons auf, betrinkt sich maßlos mehrere Tage lang und schleppt sich mehrfach am Tag zu einer der Bühnen, um die Jungs und Mädels live zu hören/sehen, die dann kurze Zeit später per Generator angetriebener Anlage erneut vom Band die Umgebung des einmal als Zelt mitgebrachten großen Mülleimers beschallen, in denen es versucht, einen Sexpartner des anderen, wahlweise gleichen Geschlechts davon zu überzeugen, dass dies genau der richtige Ort und die richtige Zeit zum Koitus ist zu überleben.

Besonders schön wird das Fest, wenn es die ersten drei Tage durchgehend regnet und dann aus der Freifläche im Wald eine Schlammwüste mit Inseln für Zelte geworden ist.

Wenn man allerdings vorgibt, für einen dänischen Radiosender zu “arbeiten” oder Papa einen von Beck’s kennt oder man einfach die richtigen Freunde hat, kann man sein fahrbares Eigenheim auf einem abgesperrten weiträumigen Feld abstellen, auf dem es sogar richtige Toiletten und Duschen gibt. Auch wenn man zweitere eher nicht braucht. Zudem bekommt man dann noch ein schickes grünes Armband, mit dem man in einem sogenannten “VIP-Zelt” günstiger Beck’sBier kaufen kann und sich mit Glück und Geschick an der Absperrung vorbei vor oder sogar auf die Bühne mogeln kann. Hat natürlich keiner gemacht, könnte man aber. Dort darf man dazu noch anderen unwichtigen Leuten auf die Nerven gehen, man ist ja eigentlich ein ganz normaler Festivalbesucher, sprich betrunken, und hat eben durch einen glücklichen Umstand so ein schönes Armband. Das finden die anderen grünen Armbänder ganz ganz toll.

Trotzdem kriegt man noch eine Menge vom wirklich großartigen Line-Up der Bands mit. Meine persönlichen Highlights (liegt allerdings auch an meinem Musikgeschmack): Fanta 4, Beastie Boys, Queens Of The Stone Age, Bloc Party (auch wenn dort die Technik einiges versaut hat), Me First And The Gimme Gimmes und natürlich Deichkind, die das ganze so dermaßen würdig zu Ende brachten, dass einem Pearl Jam völlig egal war. Respekt, diese Show war der Hammer!

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Natürlich sind auch einige Fotos und ein Video entstanden, aber das muss nun nicht unbedingt alles an die Öffentlichkeit. Es gibt doch hier oder hier viel mehr zu sehenlachen.

Im nächsten Jahr nehme ich noch dies(vielleicht in einer anderen Farbe) und das mit und dann fehlt wirklich nichts mehr.
Vielen Dank an dieser Stelle an meine Mitreisenden, in deren Namen ich mich…. (derjenige weiß bescheid)

Ach ja, und Christian, zu deiner Beruhigung: andere haben auch Fotos mit Elton gemacht.

hurricane

Da Ende letzter Woche eine Email von meinem Freund Andy mit dem Betreff “VIP Karten fürs Hurricane” in meinem Posteingang landete, könnt ihr euch denken, was wir an diesem Wochenende machen. Dass ich dort wohl eher nicht bloggen werde, muss ich nicht extra sagen, oder?

Rock’n'Roll!

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Bild via