Tag Archive for 'jura'

Lernen müssen

Es ist schon bemerkenswert, wie sehr und wie lange das eigene Leben unter einem Credo stehen kann. Bestimmt nicht unaufhörlich, auch nicht stets in der gleichen Intensität. Und sicherlich wurde mir dies nicht aufgezwungen, ich hatte mich freiwillig und mir einem Großteil der Begleiterscheinungen durchaus bewusst für diesen Weg entschieden. Aber unterbewusst über einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren ständig Druck ausgesetzt zu sein, ist als reales Erlebnis dann letztlich doch prägender als man das im Vorfeld erahnen kann.

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Jetzt geht es mir hier auch gar nicht um das Erheischen von Mitleidsbekundungen. Noch weniger um das Hadern mit diesem Studium. Beides ist so gar nicht meine Art. Vielmehr wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass das Gefühl eben diesen Abschnitt hinter sich gelassen zu haben dann umso intensiver erlebbar ist, wenn man diese Erfahrung gemacht hat. Wahrscheinlich ist für mich so kurz nach der letzten Prüfung auch noch keine neue alte Realität eingekehrt. Aber das Nichtstun – oder besser Irgendwastun, nur eben nicht lernen – fühlt sich schon sehr viel besser an als noch vor ein paar Tagen. Dazu gehört selbstverständlich auch der Ausblick in die nähere Zukunft.

Die Prioritäten verschieben sich. Hin zu den Menschen um mich herum. Zum Reisen. Zu den wahren Interessen, sobald diese reanimiert wurden. Man korrigiert seine Ziele (die nur bedingt ernst gemeinten in meiner about-section sind mittlerweile verwirklicht). Eines davon ist auch das Bloggen. Nicht nur regelmäßiger soll es werden, auch konsistenter. Versprochen.

Abroad

So, nachdem ich nun fast eine Woche in den Staaten bin, finde ich einmal die Zeit und den Ort, um ueber die vielen Dinge zu schreiben, die ich hier bisher so zu sehen bekam.

Der Sinn der ganzen Aktion soll hier kurz Unwissenden dargelegt werden, dann kommt content. Schon lange ist es eine Idee, ein Traum von mir, einfach mal in die USA zu fliegen und mir dieses gigantische Land, das Volk, ja einfach alles zu Gemuete zu fuehren. Der Zeitpunkt - nach meinem Examen - bot sich da an, der aktuelle Dollarkurs tat sein Uebriges. Und so bin ich nun hier, in einem Internetcafe in Buffalo, gerade zurueck von den Niagarafaellen, aber dazu spaeter. Have Fun!

Resozialisierung

Wisst Ihr, was das schönste daran ist, seine Examensklausuren hinter sich zu haben? Abgesehen davon, dass man seine Examensklausuren hinter sich hat. Man kann gleich abends das Haus verlassen, hingehen, wo man möchte, konsumieren, was man möchte, heimgehen, wann man möchte oder es bleiben lassen. Man muss dann am nächsten Tag nicht aufstehen und fünf Stunden lang Klausur schreiben, sondern nur um Fussball zu gucken und seine Sachen zu packen. Man muss kein schlechtes Gewissen mehr haben, dass man vielleicht von der Entscheidung am Vorabend, dieses oder jenes noch zu trinken tun, besser hätte absehen sollen. Man kann durch die Republik fahren, Familienfeiern abhalten oder einfach nur mit seinen Freunden Urlaub in Schleswig-Holstein machen. Man kann Vatertag als Superheld verkleidet durch die Provinz fahren, man kann König sein. Man kann wieder zurück nach Berlin kommen, um Sonntag abends auf ein Konzert von Fettes Brot zu gehen. Eigentlich ja paradox, dass man aus dem Norden nach Berlin kommt, um die Brote zu sehen. Aber gerade auch ein Paradoxon ist eben wieder im Bereich des Möglichen. Mann kann nach Tallinn in den Urlaub fliegen, die Fähre nach Helsinki nehmen, wieder zurück nach Tallinn cruisen. Man kann kurz die einen Sachen aus der Tasche auspacken, die anderen einpacken und wieder in den Norden fahren. Nur, um nach langer Zeit mal wieder mit seinen alten Freunden zusammen Handball zu spielen, in einem Dorf nahe des Nord-Ostsee-Kanals. Dafür kann man sich auch mal die Blöße geben, das Trikot eines anderen Vereins überzustreifen. Auch, wenn das der FC St. Pauli ist. Und dann kann man auch irgendwann mal zur Ruhe kommen und wieder so langsam nach Berlin zurückkehren und sich auf die noch ausstehende mündliche Prüfung die EM vorbereiten. Man kann auch endlich wieder bloggen und sich mal dieser oder jener Website widmen. Sowohl in kreativer als auch bloß in konsumierender Hinsicht. Und man kann sich mal wieder einen Job suchen, vom Lernen profitiert man finanziell nämlich nicht direkt, eher umgekehrt. Mag ja sein, dass sich das in meinem potentiellen Gehalt später mal relativiert, davon hat mein Konto im Moment aber nichts.

Alles in allem kann man wieder ein normales Leben führen. Und das mit dem Wissen, wenigstens etwas mal erreicht zu haben. Gutes Gefühl, kann ich Euch sagen.

Ach ja, und man hat seine Examensklausuren hinter sich.

no way back

Jetzt gibt es kein Zurück mehr:

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Naja, man wäre ja kein Jurist nicht auf dem Weg zum Juristen, würde man nicht noch einen Ausweg kennen. Aber es ist auf jeden Fall amtlich!

merci à la française

Klar, keine Zeit zum Bloggen. Aber das muss jetzt sein:

Heute hat mich eine Französin sehr glücklich gemacht! Es war so richtig befriedigend und ich hätte nicht gedacht, dass eine Staatsangehörige der Grande Nation einmal ein derartiges Gefühl in mir auslösen können würde. Einfach so, mitten am Tag, hier in Berlin. Nie zuvor hatte ich die Dame gesehen und niemals werde ich sie aller Wahrscheinlichkeit nach wiedersehen.

Catherine J. schickte mir nämlich heute per email die Ergebnisse meiner beiden Semester an der Universität Paris X - Nanterre. Zur Erinnerung: Meine letzte Prüfung dort hatte ich am 07. Juni 2006(!!!), also vor gut anderthalb Jahren. Nicht, dass ich mich bisher nicht um einen Leistungsnachweis bemüht hätte, an einer Hand kann man die emails jedenfalls nicht mehr abzählen, die ich an alle möglichen Damen und Herren in Nanterre versandte. Eine befriedigende Antwort bekam ich nie. Und so wusste ich bis zum heutigen Tage auch nicht, ob meine letzte mündliche Prüfung sehr darunter gelitten hatte, dass die Professorin deren wahren Vorverlegungsgrund - den Beginn der WM in Deutschland - sagen wir mal…erahnte. Nun ja, ich hatte Schlimmeres erwartet. Mein Ziel des Frankreichstudiums habe ich erreicht und damit will ich es mal belassen.

Im Zuge meiner Anmeldung zum Examen in Berlin in den nächsten Tagen wollte man beim hiesigen Justizprüfungsamt nämlich einen Nachweis über die Zeit in Frankreich  und ich hatte ehrlich gesagt die Hoffnung aufgegeben, jemals rechtzeitig einen solchen zu bekommen. Aber 2008 scheint das Jahr der Wunder zu sein (ich hörte von einem Fall der Kulanz bei der Deutschen Bahn) und da fragt man dann nach irgendwelchen Gründen einfach nicht mehr nach.

Ich wünsche Euch allen ein persönliches Wunder in 2008. Muss ich mir jetzt eigentlich Gedanken machen, weil meins schon geschehen ist?

frohes neues

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2008! Allen ein erfolgreiches Jahr! Hier werden Beiträgen vorerst weiter rar bleiben. Examen ist erstmal wichtiger. Siehe Bild.

handballfans rücken zusammen

Welch Freude überkam mich doch heute morgen als ich meine Jacke anzog, um in die Bibliothek zu fahren. Dieser liebliche Geruch nach Bier direkt vor meinem Gesicht hätte mich normalerweise gestört, erinnerte er mich nicht an diesen fantastischen Abend gestern. Nach einer wieder einmal unbequemen Fahrt mit einer Mitfahrgelegenheit - man sollte aber einfach auch nicht mit Typen mitfahren, die André heißen, BWL studieren, einen Peugeot Kombi fahren, diesen mit fünf Mann voll machen, zwölf Euro nach Hamburg nehmen, denken das sei Ökonomie und einen dann in Billwerder ‘rauslassen - stand gestern der primäre Grund meines Besuchs hier an. Als Besitzer einer Karte für das Halbfinale der Handball-WM zwischen Polen und Dänemark wollte man dennoch erstmal das Spiel der deutschen Mannschaft sehen. Als Location hierfür wurde die Sport-Kneipe (was für ein Wort eigentlich?) “Hunger & Durst” direkt am S-Bahnhof Stellingen auserkoren. Dort sollte auf einigen Fernsehern das Spiel laufen. Der Wirt holte ob seiner zahlreichen Kunden sogar die Gartenstühle nach drinnen und so war der ganze Laden ziemlich voll mit Stühlen und Leuten. Gegen Anfang der zweiten Halbzeit fingen plötzlich alle Fernseher an zu streiken. Trotz intensiver Bemühungen des vollbärtigen bemützten Chefs war über DVB-T einfach kein ZDF mehr zu bekommen (und komischerweise wirklich nur kein ZDF). Aber eines der Fernsehgeräte konnte ja über den Kabel- oder Satellitenanschluß weiter bedient werden. Also wurde nicht lange verhandelt, alle Leute stellten die Stühle weg und rückten stehenderweise so zusammen, dass eben jeder halbwegs einen Blick auf das Gerät hatte. Dazu musste sogar der Raum hinter der Bar genutzt werden. Schätzungsweise 100 Leute standen nun biertrinkenderweise vor, an und hinter der Bar und verfolgten dieses große Handballspiel zwischen Deutschland und Frankreich. Dass Andy und ich dabei dann auch noch einen alten Weggefährten aus Schulzeiten trafen, belustigte uns umso mehr. Wie die allgemeine Stimmung war, brauche ich wohl keinem erzählen, der das Spiel gesehen hat. Wer es nicht gesehen hat, tut mir nur leid. Jedenfalls war es durch diese Zufälligkeiten wieder fast wie zu WM 2006 Zeiten und der Wirt holte seine DigiCam heraus und fotografierte den Spass, weil er meinte, es würde ihm keiner glauben, was da los war. Wirklich. Da ich für irgendjemanden nachmittags noch eingesprungen war, um in der ColorLineArena Flyer zu verteilen und somit den Eintritt umsonst bekam, konnte ich nach dem deutschen Spiel noch meine Eintrittskarte an eine nette Dänin verkaufen und habe auch finanziell von dem Tag profitiert. Dass bei dem nicht minder spannenden Spiel zwischen Dänemark und Polen dann meine Jacke ein kleines Bierbad genommen hat, konnte meine Stimmung nicht trüben. Eben auch heute morgen nicht.

Da habe ich dann die Bibliothek der Hamburger Juristen aufgesucht. Architektonisch gelungen, gut zum Arbeiten, also sehr angenehm. Überhaupt immer wieder angenehm hier in Hamburg.

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Sonntag um 16.30h wird aber wieder in Berlin geguckt. Handball-WM-Finale. Bin offen für jeglichen Orts-Vorschlag, Sport-Kneipen bevorzugt.

wer versteht die welt?

Jetzt ist er doch noch gekommen, der fiese Berliner Winter. Komischerweise nach dem Frühling, der schon da war, aber egal. Nicht nur, weil ich endlich mein gesamtes Bekleidungs-Equipment einem echten Härtetest unterziehen kann, auch weil es dann allein der Temperatur wegen in der Bibliothek angenehmer ist als draußen und weil das nach-Hause-kommen den maximalen Wohlfühl-Faktor (so heisst das wohl derzeit) erhält, kommt mir das zupass. Das kann auch ein Aufsatz über den sogenannten Bonifatius-Fall (ein Pfarrer vermacht seine Wertpapiere dem Bonifatius-Verein kurz vor seinem Tod, seine Erbin verlangt die Wertpapiere vom Verein heraus) nicht beeinflussen. Der Fall stammt aus dem Jahr 1910, damals war man wohl so drauf, dachte ich. Schlägt man allerdings die Zeitung von heute (also 2007, knapp 100 Jahre später) auf, liest man von einer hysterischen Meute, die an den Strand geschwemmtes Frachtgut an der englischen Küste einsammelt und bei ebay verkauft. Dass das Eigentum an den Sachen so was von eindeutig bei den ursprünglichen Eigentümern verbleibt, könnte ich jetzt genau erklären, es erschließt sich aber auch jedem Laien. Die Menschen haben es also immer noch nicht gelernt, sogar müsste man die Erbin von damals in Schutz nehmen, die Rechtslage in diesem Fall ist heftig umstritten.

Alldieweil ist morgen schon wieder Mittwoch, und damit die Hälfte der Woche wieder vorbei. Gefällt mir. Am Wochenende ist Elternbesuch zu erwarten, heißt Restaurantbesuch kann wohl eingeplant werden. Wenn jemandem noch außergewöhnliche Kulturereignisse am Wochenende, die nicht auf herkömmlichen Wegen zu erfahren sind, bekannt sein sollten, möge er es mir doch bitte mitteilen. Auch das ist Teil der begriffsverdrehten elterlichen Fürsorge.

effekthascherei

Die erste wirkliche Arbeitswoche ist erledigt. Erkenntnisse aus dieser Zeit:

  • die FU (Freie Universität) Berlin ist eigentlich gar nicht in Berlin, sondern weit draußen. Durch eine Raumverlegung hatte ich das Vergnügen, mich dort einmal wirklich umzuschauen. Durch ihre - ich nenne es mal - Randlage gewinnt die Uni sicherlich an Heimeligkeit und Idylle, die man in Mitte (wo sich bekanntermassen die HU befindet) niemals erreichen wird. Im Sommer zwischen den vielen kleinen Villen im Park zu liegen, kann man sich schon ganz nett vorstellen. Wenn man dann allerdings durch die Gänge der sogenannten Rostlaube geht (die im Übrigen alle Straßen heißen und nummeriert sind), erinnert das doch erheblich an das Interieur von Gesamtschulen. Ein echtes Highlight befindet sich allerdings im Innenhof dieser Rostlaube: Die Philologische Bibliothek:philologische_bibliothek.jpgEin abgefahrener Kuppelbau vom britischen Architekten Norman Foster entworfen. Nicht nur architektonisch, auch athmosphärisch (für eine Bibliothek eher zu laut, da zu offen gestaltet) sehr zu empfehlen. Trotzdem bin ich lieber an der HU.
  • Lernen respektive Arbeiten ist scheiße! Nein, so kann man das auch nicht sagen. Wenn man sich wirklich ernsthaft mit einer Sache auseinandersetzt, hat das Effekt. Und zeitweise ist es sogar sehr interessant und macht Spaß. Es kostet einfach nur viel Zeit, die man sonst anderen (ja, auch oft sinnlosen) Dingen widmen konnte. Daran muss man sich gewöhnen. Ich arbeite daran.
  • Fahrrad und iPod sind sehr gute Zeitoptimierungssysteme, die auch in ihrer Kombination nicht zu unterschätzen sind. Große Zufriedenheit mit beiden Entscheidungen macht sich breit.