Tag Archive for 'kreuzberg'

it’s all gone!

Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu sprechen, in diesem Fall zu schreiben. Auch, wenn es schon geraume Zeit her ist, dass wir völlig zu Recht das Finale der Fussball-Europameisterschaft verloren haben wir leider leider einen schlechten Tag hatten am 29. Juni 2008. Für viele von Euch mag das Anlass zum Ärger genug gewesen sein, für mich war es noch ein wenig schlimmer, möchte ich behaupten. Aber von Anfang an:

Die EM lief super für mich, ich hatte nur bedingt komplizierte Aufgaben zu erledigen und konnte mich so voll auf das Wesentliche konzentrieren. Fussball und Wien. So nach und nach stellte sich heraus, dass ich auch endlich einmal mein vollmundiges Versprechen wahr machen konnte und beim Tippspiel langsam aber sicher den Weg an die Spitze erklimmen konnte. Dazu gehört ein wenig Fußballsachverstand und vor allem eine Menge Glück. Und davon hatte ich genug. Nicht nur, dass ich in der Vorrunde beispielsweise das 4:1 der Spanier gegen Russland exakt vorhersagte, auch ein 4:2 im Elfmeterschießen derselben gegen Italien hatte mir irgendwer ins Ohr geflüstert. Somit war nach dem Halbfinale klar, dass ich zwei der fünf Tippspiele, bei denen ich stets die gleichen Tipps eintrug, egal bei welchem Ausgang des Endspiels bereits sicher gewonnen hatte. Aber dann stellte ich etwas ganz Erstaunliches fest. Neben den eher privaten Tipprunden trug ich auch stets bei zwei großen öffentlichen meine Vorhersagen ein. Natürlich ohne ernsthaft mit einem Gewinn zu rechnen. Das änderte sich aber spätestens als ich feststellte, dass ich auch beim FAZ-Tippspiel vor dem Finale in führender Position lag. Ich musste also nur das Ergebnis des Spiels richtig tippen und ein Auto würde mir gehören. Bei richtiger Tendenz waren die Chancen auf einen dicken Fernseher immer noch hervorragend. Was also tippt man? Auf Spanien? Nein, das brachte ich nicht übers Herz! Also auf Deutschland. Ich war auch fest von einem Sieg überzeugt, im Vorfeld hatte man außer gegen Portugal zwar nie überzeugen können, aber das ist ja meist so, wenn man ein Turnier gewinnt. Zudem vertraute ich auf den Willen der deutschen Spieler, der eben auch spielentscheidend hätte sein können. Können. Denn davon, dass irgendwer im deutschen Trikot dieses Spiel unbedingt hat gewinnen wollen, konnte ich selbst mit meinem bierseligen euphorisierten Blick nichts entdecken. Somit war ich wohl derjenige, der - in Anbetracht meiner Situation - trotz des miserbalen Spiels am meisten an unsere Jungs geglaubt hat. Umsonst. Und da viele andere bei der FAZ-Tipprunde ihre Chance im Tipp auf Spanien suchten, ging ich natürlich komplett leer aus.

Alles nicht so schlimm. Hätte mir vor der EM jemand gesagt “Hey, Du gewinnst knapp 500 Euro und eine Flasche Edelschnaps!”, ich hätte mich gefreut. Nachdem ich die Chance auf knapp 20.000 Euro hatte, allerdings eher ein Trostpflaster. Aber immerhin. Man fängt also an zu überlegen, was man so macht mit seinem Gewinn. Klar, man muss sein Konto ein wenig auf Vordermann bringen, aber man will sich ja auch etwas gönnen. Aber was? Nachdem ich eine gute Woche im Netz am Suchen war, kam mir Dienstag die entscheidende Idee.

Dies allerdings unfreiwillig. Montag Abend wollte ich mich bei einem Essen von meinem Besuch aus Amsterdam/Puerto Rico/San Francisco verabschieden. Ein paar Pils und um Mitternacht irgendwas zum Anstoßen auf den Geburtstag einer der Damen. Dann nach Hause. So war zumindest der Plan. Aber wie es eben immer so ist mit solchen Plänen, sie funktionieren nie! Ein Wort gibt das andere, der Gastgeber stellt zehn verschiedene Sorten Wodka auf den Tisch, von denen alle probiert und die beste geleert werden sollte. Der Abend endete in der Roten Rose in Kreuzberg, Erinnerungen verschwimmen, um 5h kehrt man heim. So weit, so gut. Bis ich am nächsten Morgen feststellte, dass es meiner Tasche im Taxi oder der Kneipe so gut gefallen haben musste, dass sie gleich dageblieben ist. Inklusive Kamera, Pullover, Portemonnaie (ja, natürlich mit allem darin: 2 ec-Karten, VISA-Karte, Perso, Semesterticket, Führerschein, BahnCard etc.). Vielleicht ist sie auch sonstwo, jedenfalls aber nicht bei mir. Weder in der Kneipe, noch beim Taxiunternehmen konnte ich etwas erreichen. Sollte sich also nicht ein ehrlicher Finder auftun, der mir wenigstens einen Teil der Sachen zurückbringt (und dafür selbstverständlich belohnt wird), ist wohl klar, wohin mein Gewinn geht. An Bezirksämter, Banken, Führerscheinstellen, Taschen- und Kamerahersteller vermutlich. Sollte irgendwem jemand mit dieser Tasche auffallen (in schwarz, innnen gelbe Plane, davon gibt es in Deutschland nur sehr wenige), fragt ihn/sie mal, wo er/sie diese denn her hat. Ich geb’ dann ‘n Führerschein aus. Danke.

Kreuzberg I vs. Kreuzberg II

Zurück aus Wien, zurück in Kreuzberg. Wo anders sollte man auch das FreundschaftsSpiel gegen Türkiye gucken? Außerdem musste ich ja zu meiner Befriedigung feststellen, dass man den Pokal nicht wie früher auf dem Frankfurter Römer (obwohl ich da ja schon alles vorbereitet hatte), sondern auf der Fanmeile am Brandenburger Tor präsentieren wird. Ist ja auch größer da alles. Nicht schöner, aber größer.

Was haben wir für großartige Spiele erlebt gegen Portugal und die Türkei? Das souveräne Kontrollieren der portugiesischen Offensive, versehen mit zwei kleinen Schönheitsfehlern und der Krampf gegen die Türken. Gut für Jogi Löw (oder mein neuer Lieblingsspitzname J-Low), dass er dieses Spiel vor der Bank hin- und herrennen auf der Bank sitzen durfte, sonst hätte er sich wahrscheinlich totgeraucht.

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Kreuzberg steht auch noch. Alles, was ich gesehen habe gestern Abend, war sowas von friedlich. Großes Kompliment an alle Türken hier, kaum einer, der neben seiner Türkei-Flagge nicht auch eine kleine deutsche am Auto, in der Hand, an der Satellitenschüssel am Balkon oder als Ohrring (kein Scheiß, hab ich gesehen, war aber eher ‘ne Frau) hatte. Und nach dem Spiel haben sie einfach mitgefeiert. Wie schon der Tiger sagte: “Hauptsache, wir machen beste Autokonvoi von Welt!” Genau! Ein Mal noch, am Sonntag, das wäre so schön!

rechthaber

dsc00050.JPGIch würde zu einer derartigen Veranstaltung zwar niemals hingehen - wer mich kennt, der weiß das. Dennoch ist dieser eine gewisse unterschwellige und vor allem eben wahrheitliche Kritik an der Situation in der näheren Nachbarschaft nicht abzusprechen. Und selbst, wenn man denn wollte - Samstag Nachmittag hat man wahrlich andere Dinge zu tun.

Recht hat jemand übrigens auch damit. Finde ich.

time’s runnin’ up

Was gäbe es nicht in letzter Zeit alles, worüber man mehr schreiben könnte möchte?

Aber - verdammt! - ich habe einfach keine Zeit mehr. Die Examensvorbereitung nimmt einen doch zu sehr in Anspruch. Wenn man sie denn ernsthaft betreibt. So wie ich jetzt. Stellt Euch also darauf ein, dass hier nur noch in wesentlich größeren Abständen gepostet wird. Ab April ‘08 sollte ich wieder mehr Zeit fürs Netz und seine Ausgeburten haben. Was ich allerdings bis Dezember ‘07 schaffen will, ist ein Wechsel zu einem anderen Provider/Host (strato sucks!), evtl. mit einem leicht anderen Konzept/Layout der Seite verbunden. Wenn jemand also gute solche empfehlen kann, bitte in die Kommentare.

hier am wochenende

Ein Wochenende wie man es nur in Berlin erleben kann. Wo sonst kann man den Freitag Abend in einer Strandbar an der Spree in der Hängematte beginnen? Wo sonst kann man sich Samstag Abend um 21h30 überlegen, dass man noch einkaufen müsste? Wo sonst kann man um 1h30 auf eine Party kommen, die zwei Straßen von daheim entfernt liegt und deren eigentliche Location im Keller nur durch eine Treppe in einem Schrank in der Ecke einer Kneipe zu erreichen ist? Wo sonst kann man Sonntag Abend in einem Schiff in der Spree baden und dabei Live-Jazz hören? Wo sonst geht man dann auf dem Weg zurück nach Hause noch Köfte beim Türken holen?

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ein lächeln

Heute ist ein guter Tag. Bisher zumindest. Einige kleine Momente zauberten immer wieder ein Lächeln auf mein Gesicht.
Es begann in Grunewald. Weniger Zeit als ich gedacht hatte, kostete mich der Abschluss der (fast) finalen Fassung meiner letzten Hausarbeit als Student. Als ich den Rechner im Raum mit der arbeitsrechtlichen Literatur in der rechtswissenschaftlichen Bibliothek der FU Berlin zuklappte und noch einen letzten Blick auf die Tische und Gesichter der anderen dort warf, konnte ich mir zum ersten Mal an diesem Tag das “nach-oben-Ziehen” der Mundwinkel nicht verkneifen. Wusste ich doch von den Tagen davor, dass diese “Kollegen” noch den Rest des Tages hier verbringen würden und ich wahrscheinlich nicht all zu bald überhaupt einen Fuß in diesen Laden setzen würde. Dafür ist die HU einfach attraktiver, da näher und “mehr” Bibliothek.
Von diesem Glücksmoment erheitert und gutlaunig in der U-Bahn nach Hause dann der nächste kleine große Moment. Das Gespräch eines Kreuzberger (Studenten und) Hundebesitzers (Ausstieg Hallesches Tor) mit dem mittzwanziger gestylten Türken (Ausstieg Kottbusser Tor) machte den Anfang. Der kleine Junge mit der Gitarre und das ältere, aber immer noch junge Mädchen mit der wunderschönen Stimme setzten ihn fort. Die kannte ich noch nicht (man kennt ja mittlerweile die Berliner Bahnmusikanten und Zeitungsverkäufer) und ausnahmsweise gab es auch von mir Kleingeld (würde man jedem, der fragt, etwas geben, wäre man selbst pleite).
Der vorläufige Höhepunkt war aber die Wand des Getränkehändlers in meiner Straße. Wie oft habe ich mich über die Unfreundlichkeit der dort arbeitenden Personen aufgeregt (besonders die Frau, Besipiel: “hamse keen kasten, denn nimm wa die flaschen ooch nich!” - danke, wofür gibt es denn getränkemärkte?). Und das hatte wohl auch schon jemand anderes, der seinen Unmut an der Wand neben dem Eingang des Marktes kund tat. Dieses Bild löste nicht nur ein Lächeln aus, bis zu meiner Haustür musste ich herzlich lachen.

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Dann wollen wir mal hoffen, dass die Verspätung meines Zuges das einzige Minus heute bleibt.

bizarre

Ja gut, vielleicht bin ich bescheuert. Aber keiner kann mir erzählen, dass er noch nie bei youtube nach Begriffen gesucht hat, die eigentlich nichts Sinnvolles zutage fördern können. Dabei ist diese Geschichte es wirklich wert, erzählt zu werden. Es war nämlich auch gar kein Wort, was man nicht publik machen sollte.

Ich sitze also eines abends nachts vor meinem Rechner und gebe bei youtube den Namen der Straße in Kreuzberg ein, in der ich momentan wohne. Ohne die Erwartung, halbwegs interessante Ergebnisse zu erhalten, schaue ich mir selbige an. Besser gesagt: das Ergebnis, es gibt nämlich lediglich ein Video zu meiner Anfrage. Der Titel lautet petit dej … und dann der Name der Straße. Dank meiner Französisch-Kenntnisse erkenne ich darin eine Abkürzung für petit déjeuner (Frühstück). Hmm, denke ich, schaue ich jetzt fremden Menschen beim Frühstücken zu oder gehe ich doch endlich ins Bett. Dann fällt mir jedoch das Synonym desjenigen auf, der das Video ins Netz gestellt hat. Und dieses Synonym kommt mir bekannt vor. Die email-Adresse meines Vermieters aus Paris beinhaltet eben jenes Kürzel. Und das wäre schon sehr verwunderlich, wenn jemand eben dieses (da sehr spezielle) Synonym ebenfalls verwenden würde. Und einige Sekunden später bestätigt sich mein Verdacht: da sitzt doch mein Pariser Vermieter in einer Wohnung in meiner Straße am Fenster und frühstückt. Außerdem gibt es noch zwei weitere Videos aus Berlin von ihm. Ich wusste zwar, dass er oft in Berlin ist und angesichts seiner Tätigkeit als Freelancer bei einer Werbeagentur in der Schweiz auch während meiner Zeit in Paris u.a. in Berlin gelebt hat. Dennoch ist das ein recht bemerkenswerter Zufall, der mir den netten kleinen Franzosen auf sehr sympathische Weise wieder in Erinnerung gerufen hat. Nebenbei ist es die perfekte Geschichte für ein blog. In diesem Sinne: À bientôt.

parisien

Sonntag. Sonne. Kreuzberg. Fast ein bißchen Paris hier nebenan. Und dann kommt Montag. Wenigstens die Sonne ist geblieben.

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hühner

Zwei Neuigkeiten, die eigentlich gar nicht so neu sind:

dutschke lebt

Besonders glücklich war ich ja nicht heute als ich daran erinnert wurde, dass heute alle Bürger des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aufgerufen waren, mittels eines Bürgerentscheids eine mehr oder weniger wichtige politische Entscheidung zu treffen. Um es kurz zu erklären: In der sogenannten Bezirksverordnetenversammlung (das ist das Parlament des Stadtteils, der hier Bezirk heißt und ungefähr Kommunenqualität hat) hat ein Antrag von PDS und Bündnis90/Die Grünen Erfolg gehabt, der vorsah, einen Teil der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen. Daraufhin hat die CDU Unterschriften gesammelt und diesen Bürgerentscheid herbeigeführt, der darauf abzielte, die in der Bezirksverordnetenversammlung beschlossene Namensänderung der Straße zurückzunehmen. Glücklich war ich deshalb nicht, weil ich meinen Plan, das Haus nicht zu verlassen, leider nicht umsetzen konnte. Natürlich hätte ich auch nicht hingehen können, aber dann hätte ich auf mein demokratisches Recht verzichtet. Und das kann ich ja nicht. Mir ist es auch relativ egal wie die Straße heisst, nur die Tatsache, dass nach der Umbenennung der Straße diese an die Axel-Springer-Straße und damit auch ans Axel-Springer-Haus grenzt, finde ich ganz amüsant. Vor allem bin ich aber abstimmen gegangen, weil ich den bürokratischen Aufwand, der für ein aussichtsloses Unterfangen betrieben wird und lediglich aus politischer Unfähigkeit, parlamentarische Mehrheiten zu schaffen resultiert, für absolut schwachsinnig halte. Deshalb musste dem Willen der Initiatoren widersprochen werden. Also haben sich mein Mitbewohner und ich in unseren Sofa-Klamotten kurz vor Schließung der Wahllokale aufgemacht in unser Wahllokal zwei Straßen weiter. Dass wir nicht unbedingt gesellschaftsfähig waren, versteht sich von selbst. Dass wir damit aber nicht auffielen, sondern uns von einem Pärchen im Wahllokal stilmäßig sogar in den Hintergrund gerückt wurden, versteht sich in unserem Bezirk offensichtlich auch von selbst.
Ergebnis der Abstimmung übrigens: Bei einer Wahlbeteiligung von 16,8 % (unter 15 % wäre der Bürgerentscheid als abgelehnt gewertet worden) stimmten 57,1 % mit Nein, also gegen das Begehren, die Umbenennung zurückzunehmen. Hätten sich also ca. 3000 andere Couch-Hocker nicht aufgerafft zum Wahlspaziergang, am Ergebnis hätte es nichts geändert. Das ist Politik.