Tag Archive for 'politics'

nix campioni

Eine Sache muss ich vor dem Flug noch loswerden. Meine Sympathien im gestrigen Champions-League- Finale gehörten eindeutig dem FC Liverpool und dennoch muss man sagen, dass der Erfolg der Milanisti sportlich in Ordnung geht (warum Inzaghi???). Aber nicht in Ordnung ist es, dass die Spieler, so wie ich es gesehen habe auf Geheiß Gattusos, Silvio Berlusconi den Pokal in die Hand drücken und ihn dann hochleben lassen (respektive hochwerfen). Unfassbar! Hat jemals jemand Abramowitsch oder Beckenbauer auf dem Spielfeld gesehen? Und selbst wenn, wäre man mit ihnen anders verfahren als mit einem, dessen Position im Staate Italien unabhängig vom Fussball wohl mehr als zweifelhaft ist (und der sich trotz alledem selbst feiert). Aber Italiener kennen da ja keine Schmerzen. War Milan nicht auch mal im Gespräch als Zwangsabsteiger in die Serie B?

dutschke lebt

Besonders glücklich war ich ja nicht heute als ich daran erinnert wurde, dass heute alle Bürger des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aufgerufen waren, mittels eines Bürgerentscheids eine mehr oder weniger wichtige politische Entscheidung zu treffen. Um es kurz zu erklären: In der sogenannten Bezirksverordnetenversammlung (das ist das Parlament des Stadtteils, der hier Bezirk heißt und ungefähr Kommunenqualität hat) hat ein Antrag von PDS und Bündnis90/Die Grünen Erfolg gehabt, der vorsah, einen Teil der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen. Daraufhin hat die CDU Unterschriften gesammelt und diesen Bürgerentscheid herbeigeführt, der darauf abzielte, die in der Bezirksverordnetenversammlung beschlossene Namensänderung der Straße zurückzunehmen. Glücklich war ich deshalb nicht, weil ich meinen Plan, das Haus nicht zu verlassen, leider nicht umsetzen konnte. Natürlich hätte ich auch nicht hingehen können, aber dann hätte ich auf mein demokratisches Recht verzichtet. Und das kann ich ja nicht. Mir ist es auch relativ egal wie die Straße heisst, nur die Tatsache, dass nach der Umbenennung der Straße diese an die Axel-Springer-Straße und damit auch ans Axel-Springer-Haus grenzt, finde ich ganz amüsant. Vor allem bin ich aber abstimmen gegangen, weil ich den bürokratischen Aufwand, der für ein aussichtsloses Unterfangen betrieben wird und lediglich aus politischer Unfähigkeit, parlamentarische Mehrheiten zu schaffen resultiert, für absolut schwachsinnig halte. Deshalb musste dem Willen der Initiatoren widersprochen werden. Also haben sich mein Mitbewohner und ich in unseren Sofa-Klamotten kurz vor Schließung der Wahllokale aufgemacht in unser Wahllokal zwei Straßen weiter. Dass wir nicht unbedingt gesellschaftsfähig waren, versteht sich von selbst. Dass wir damit aber nicht auffielen, sondern uns von einem Pärchen im Wahllokal stilmäßig sogar in den Hintergrund gerückt wurden, versteht sich in unserem Bezirk offensichtlich auch von selbst.
Ergebnis der Abstimmung übrigens: Bei einer Wahlbeteiligung von 16,8 % (unter 15 % wäre der Bürgerentscheid als abgelehnt gewertet worden) stimmten 57,1 % mit Nein, also gegen das Begehren, die Umbenennung zurückzunehmen. Hätten sich also ca. 3000 andere Couch-Hocker nicht aufgerafft zum Wahlspaziergang, am Ergebnis hätte es nichts geändert. Das ist Politik.