Tag Archive for 'schleswig-holstein'

Resozialisierung

Wisst Ihr, was das schönste daran ist, seine Examensklausuren hinter sich zu haben? Abgesehen davon, dass man seine Examensklausuren hinter sich hat. Man kann gleich abends das Haus verlassen, hingehen, wo man möchte, konsumieren, was man möchte, heimgehen, wann man möchte oder es bleiben lassen. Man muss dann am nächsten Tag nicht aufstehen und fünf Stunden lang Klausur schreiben, sondern nur um Fussball zu gucken und seine Sachen zu packen. Man muss kein schlechtes Gewissen mehr haben, dass man vielleicht von der Entscheidung am Vorabend, dieses oder jenes noch zu trinken tun, besser hätte absehen sollen. Man kann durch die Republik fahren, Familienfeiern abhalten oder einfach nur mit seinen Freunden Urlaub in Schleswig-Holstein machen. Man kann Vatertag als Superheld verkleidet durch die Provinz fahren, man kann König sein. Man kann wieder zurück nach Berlin kommen, um Sonntag abends auf ein Konzert von Fettes Brot zu gehen. Eigentlich ja paradox, dass man aus dem Norden nach Berlin kommt, um die Brote zu sehen. Aber gerade auch ein Paradoxon ist eben wieder im Bereich des Möglichen. Mann kann nach Tallinn in den Urlaub fliegen, die Fähre nach Helsinki nehmen, wieder zurück nach Tallinn cruisen. Man kann kurz die einen Sachen aus der Tasche auspacken, die anderen einpacken und wieder in den Norden fahren. Nur, um nach langer Zeit mal wieder mit seinen alten Freunden zusammen Handball zu spielen, in einem Dorf nahe des Nord-Ostsee-Kanals. Dafür kann man sich auch mal die Blöße geben, das Trikot eines anderen Vereins überzustreifen. Auch, wenn das der FC St. Pauli ist. Und dann kann man auch irgendwann mal zur Ruhe kommen und wieder so langsam nach Berlin zurückkehren und sich auf die noch ausstehende mündliche Prüfung die EM vorbereiten. Man kann auch endlich wieder bloggen und sich mal dieser oder jener Website widmen. Sowohl in kreativer als auch bloß in konsumierender Hinsicht. Und man kann sich mal wieder einen Job suchen, vom Lernen profitiert man finanziell nämlich nicht direkt, eher umgekehrt. Mag ja sein, dass sich das in meinem potentiellen Gehalt später mal relativiert, davon hat mein Konto im Moment aber nichts.

Alles in allem kann man wieder ein normales Leben führen. Und das mit dem Wissen, wenigstens etwas mal erreicht zu haben. Gutes Gefühl, kann ich Euch sagen.

Ach ja, und man hat seine Examensklausuren hinter sich.

greunen kohl

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Wie stimmt man sich als Norddeutscher am besten darauf ein, schwer kommerzielle “Weihnachtsmärkte” vor Ruinen hinter sich zu lassen und den Weg in die Heimat anzutreten?

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Mit einem schwer traditionellen Grünkohl-Essen und den obligatorischen Kaltgetränken dazu natürlich. So geschehen gestern. Zwar konnte der türkische Verkäufer im Supermarkt die riesigen Säcke Grünzeug thematisch nicht einordnen, aber das muss er auch nicht, schließlich kennen Grünkohl viele Süddeutsche nicht einmal.

Es folgen hoffentlich entspannte Tage in der schleswig-holsteinischen Tiefebene.

new york op platt

So sehr ich mich über das deutsche Fernsehen aufrege, so sehr versöhnt es einen auch manchmal. Selten, aber manchmal. So geschehen am Donnerstag Abend im NDR Fernsehen. Ohne darauf zu achten, lief die Tagesschau (im Dritten) nebenbei und danach begann sogleich eine Sendung im Rahmen der “Plattdeutschen Woche” des NDR. Im Augenwinkel sah ich einen schwarzen Mann und eine blonde Frau vor der typischen New York-Kulisse (Broadway) stehen. Nicht weiter außergewöhnlich und eigentlich - läge die Fernbedienung nicht außer Reichweite - Zeit zum Um- oder Abschalten. Dann aber wurde ich stutzig. Denn der Schwarze snackt platt. Seine blonde Kollegin ist nur des Hochdeutschen mächtig und kommt uncool ‘rüber, aber er hat’s drauf. Es ist eine Sendung der Reihe “Länder, Menschen, Abenteur”, die über die Föhrer(!!!) Community in New York berichtet. In dieser Stadt gibt es mehr Föhrer als auf der Insel selbst. Und die werden von Yared Dibaba (so heißt der Kollege) in schönstem Platt interviewt. Man erfährt ihre Lebensgeschichten und mehr darüber, was in New York auch nicht anders funktioniert als in Boldixum oder Oevenum.

Ich jedenfalls habe mich sehr darüber gefreut und eine Dreiviertelstunde großen Spaß gehabt. Auf der Suche nach einem Wiederholungstermin der Sendung bin ich vorerst nicht fündig geworden, werde aber beizeiten mal beim NDR anfragen, ob eine Aufzeichnung irgendwo zu bekommen ist (wenigstens der Trailer ist aber online abrufbar). Zumal ja auch in meinem Freundeskreis ehemalige Bewohner der Insel sind und meine Eltern dort lange eine Wohnung besaßen, in der auch ich oft meine Sommer verbracht habe.

lieblingsplätze im sommer

Zurück in Deutschland. Und zwar richtig: Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, Schleswig-Holstein. So richtig zum wieder Eingewöhnen. Bleibe dann erstmal dort, wo es bei dem Wetter am schönsten ist: ganz oben im Norden! Und genieße das, was man eben so macht in der Heimat: Hecke schneiden bei Muttern, Haus streichen bei Vatern, aber auch frühstücken und grillen im Garten oder beim Brötchen holen die Segelschiffe auf der Ostsee bewundern. Oder mich mit dem Rechner auf die Terrasse setzen. Und doch dauert es noch bis ich wirklich wieder in der Online-Welt angekommen bin.

Hier has’se aber auch die Ruhe wech!

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Bild via

full metal village

“Joa, wer drei Schachteln am Tag schaffen will, der muss früh anfangen!”

Wer noch nicht davon gehört hat: Dokumentarfilm einer koreanischen Regisseurin über das WackenOpenAir. Es geht ganz und gar nicht getreu dem Motto “Alle Spacken fahr’n nach Wacken!” um die Menschen, die nicht nur ein verlängertes Wochenende im Sommer, sondern auch den Rest des Jahres in der schleswig-holsteinischen Provinz verbringen. Was machen die eigentlich, wenn ihr Dörfchen mal nicht von zigtausenden Metallern überfallen wird?

Tolle Bilder, gelungene Schnitte und ein authentisches Bild der norddeutschen Peripherie lassen das dokumetarische Werk zu einem Unterhaltungsmoment großer Klasse werden. Wer mich fragt, dem kann ich nur sagen: Jeder Norddeutsche oder derjenige, der sich zumindest von einer Affinität zum Norden nicht ganz frei sprechen kann, muss diesen Film sehen. Nicht unbedingt im Kino. Aber sehen! Es war übrigens das erste Mal in meinem Leben, dass die Leute im Kino während des Abspanns geklatscht haben. Zaghaft, aber hörbar. Und wem das immer noch nicht Argument genug ist, hier der Trailer:

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

Bon Nadel!

Was auch immer man von diesem Fest halten mag, zumindest Kinder macht es ja doch immer wieder glücklich. Und wenn man das dann selbst als Weihnachtsmann bei der Nachbarstochter miterlebt, erkennt man wenigstens in dem Moment einen Sinn. Der Weihnachtsmannbezirk Mittelholstein gilt damit als abgehakt.
In diesem Sinne allen frohe Weihnachten, macht Euch ein paar entspannte Tage! Silvester wird hart!

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heimfahrer

Wenn schon am Kollwitzplatz Plakate hängen, auf denen - doch ein wenig boshaft beleidigt ob der vielen Prenzl’berg-Schwaben - allen Weihnachtsheimfahrern eine gute Reise gewünscht wird, dann muss man sich erst recht als solcher outen. Nun bin ich also in meiner Heimat. Gekommen bin ich mit einem treuen Überlandbummelzug, dessen Fahrgast ich schon seit Jahren nicht mehr war. Dieses Verkehrsmittel hält wirklich für jeden Bauernhof einmal an und wenn sich die Türen zum Ein- bzw. Ausstieg öffnen, duftet es unwiderstehlich nach Dung. Heimat eben.